Blockhäuser: Historie einer unterschätzten Bauart

Blockhäuser: Historie einer unterschätzten Bauart

Wohnen im Blockhaus – das klingt für viele bestenfalls rustikal und schlimmstenfalls primitiv, nach “Lederstrumpf” und “Grizzly Adams”. Weit gefehlt! Blockhäuser und -hütten sind eine äußerst naturnahe und zeitgemäße Art zu wohnen. Sie vereinen Nachhaltigkeit, Komfort und Gemütlichkeit auf ideale Weise. Beleg für die Zeitlosigkeit von Blockhäusern: Es gibt sie schon seit Jahrtausenden.

 

Wer ein Blockhaus bauen möchte, entscheidet sich für eine umweltfreundliche und langlebige Wohnlösung. Wir ergründen die Ursprünge dieser nach wie vor unterschätzen Bauart.

Ein Hit in der Bronzezeit

Erste Spuren führen in die Jungsteinzeit: Etwa 5.000 Jahre alt sind die Holzhütten, die am Ufer des schwäbischen Federsees gefunden wurden. Historiker glauben, dass die Menschen zunächst Hölzer übereinander legten und diese an den Ecken miteinander verbanden, um sich und ihre Feuerstellen vor Wind zu schützen. Daraus entwickelten sich Rundum-Konstruktionen mitsamt Dach.

Einen echten Popularitätsschub erfuhren Blockhütten dann in der späten Bronzezeit, also dem Zeitraum von 1.300 bis 800 v. Chr. In den dicht bewaldeten Gebieten von Nord- und Osteuropa errichteten viele Einwohner ihre Unterkünfte aus Holz, in erster Linie dem von Nadelbäumen. Gerade die Skandinavier erwiesen sich als Meisterbauer in Sachen Blockhaus – noch heute sind dort Wohnhauskonstruktionen aus Holz weit verbreitet. Im 8. bis 11. Jahrhundert waren es die Wikinger, die mit der Blockbauweise stabile und warme Behausungen errichteten. Und da sie sich ständig auf Eroberungszügen befanden, gelangten ihre Techniken in weite Teile Europas.

Aufbruch in die Neue Welt

Siedler aus Skandinavien waren es auch, die Holzhäuser in die Neue Welt brachten. So erreichte im Jahr 1638 eine schwedische Expedition die Küste des heutigen US-Bundesstaates Delaware und gründete die Siedlung Fort Christina (heute Wilmington). Ihre schnell errichteten Häuser bestanden – natürlich – aus Holz. Daneben nutzen Siedler aus Finnland und Deutschland den vor Ort reichlich vorhandenen Baustoff zur Konstruktion ihrer Unterkünfte.

Tatsächlich erhielten die amerikanischen Holzhütten bald ihren eigenen Namen: Log Cabins. Diese meist einfachen Behausungen boten zumindest Schutz vor den häufig extremen Wetterbedingungen im Norden Amerikas und Kanadas. Häufig diente hier auch Holz als Fußboden. 

Lincoln und die Log Cabin

Der Begriff Log Cabin war (und ist es heute noch) Synonym für Pioniergeist, harte Arbeit und bescheidene Anfänge. Sieben US-Präsidenten erblickten in einer solchen Hütte das Licht der Welt; darunter Abraham Lincoln und Andrew Jackson. Alle nutzten selbstverständlich ihre Herkunft im Wahlkampf, um sich als Männer aus der Mitte des Volkes zu positionieren. Wenig überraschend auch, dass in den USA das größte Holzhaus der Welt steht: das Old Faithful Inn im Yellowstone National Park. 1904 eröffnet, ist vor allem die über 20 Meter hohe, riesige Eingangshalle eine architektonische Meisterleistung. 

Wer möchte, muss nicht auf derartige Superlativen setzen. Aber sie oder er kann sich sicher sein, eine Bauart gewählt zu haben, die seit Jahrtausenden ein ganz besonderes Wohngefühl vermittelt. 

Artikelbild: pixabay, 96085, shonflare

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