Auf historischem Tief: EZB senkt Leitzins

Die EZB in Frankfurt

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, senkt den Leitzins auf 0,15 Prozent und führt einen Strafzins für Bankeinlagen ein – doch was bedeutet das genau?





Ein Leitzins von 0,15 Prozent und ein Strafzins für Bankeinlagen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins Anfang des Monats auf das historische Tief von 0,15 Prozent gesenkt. Die EZB verfolgt hiermit das Ziel, die Wirtschaft – vor allem in den Krisenländern Europas – anzukurbeln. Niedrige Zinsen können die Konjunktur eines Lands stärken und den Preisauftrieb beschleunigen. Die Bevölkerung gibt das Geld eher aus, Erspartes anzulegen lohnt sich nicht.  Seit 2008, mit Beginn der Wirtschaftskrise, hat die EZB bereits mehrfach den Leitzins gesenkt. Mitte 2008 lag dieser noch bei über vier Prozent, seit November 2013 betrug er nur noch 0,25 Prozent.

Neben der Senkung des Leitzinses müssen Banken zukünftig auch einen Strafzins zahlen, wenn sie Geld nicht in Form von Krediten an Unternehmen und Verbrauchern  weitergeben, sondern das Geld bei der EZB parken. Der Einlagezins liegt dann unter der Nulllinie – bei minus 0,10 Prozent.

Der Leitzins der EZB – Definition

Die Europäische Zentralbank dient als wichtiges Organ bei der Steuerung der europäischen Geldpolitik. In den USA ist hierfür die US-Zentralbank Federal Reserve zuständig. Die EZB legt in regelmäßigen Abständen den sogenannten Leitzins fest – ein wichtiges geldpolitisches Steuerungsinstrument um die Preise in einem Wirtschaftssystem relativ stabil zu halten. Der Leitzins besagt zu welchem Zinssatz sich Geschäftsbanken bei Noten- und Zentralbanken Kapital beschaffen können. Dieser Leitzins wird von den Banken wiederum an die Verbraucher weitergegeben – Zinsen, zum Beispiel auf Sparguthaben, steigen oder sinken.

Durch die Änderung des Leitzinses steuert die EZB somit indirekt alle Zinssätze einer Volkswirtschaft. Ist der Leitzins zum Beispiel niedrig, können die Banken ihren Privatkunden und Unternehmen günstige Kredite anbieten; die Zinsen auf Sparguthaben sind dann jedoch auch niedrig. Ist der Leitzins hoch, ist es umgekehrt.

Mehr Informationen zur Zinsentwicklung erhalten Sie auf der folgenden Seite.

Kritik an den Entscheidungen der EZB

Der Strafzins für Bankeinlagen und die Leitzinssenkung treffen nicht nur auf Befürworter. Kritiker bemängeln, dass ein negativer Zins die überschuldeten Unternehmen nicht anreizen würde, hohe Kreditrisiken in den betroffenen Krisenländern einzugehen. Darüber hinaus würde die weitere Senkung des Leitzinses vielleicht die Kapitalströme nach Südeuropa ankurbeln – dies geschehe jedoch auf Kosten der Sparer in den wirtschaftlich stabilen Ländern der Europäischen Union.

Bildurheber: Thinkstock, iStock, claudiodivizia

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