Auf deutsch oder auf Deutsch: Auf gut Deutsch keine Ahnung!

Ist Ihnen das auch schon mal aufgefallen? So richtig ordentliches Deutsch sprechen ja die wenigsten Deutschen. Goethe soll einen aktiven Wortschatz von 90.000 Wörtern genutzt haben; indes bemüht der Durchschnittsdeutsche in seinem Alltag kaum mehr als 500 Worte. Nur allzu häufig lässt sich hierzulande beobachten, wie etwas immer dann „auf gut deutsch oder auf gut Deutsch“ gesagt wird, wenn das Nachfolgende besonders substanzlos/mühselig/falsch ist. Dabei schützt im Übrigen aber auch Bildung vor Irrtum nicht. Denn die neue Rechtschreibung hat es in sich und stellt unsere Nerven auf eine harte Probe…

Groß- und Kleinschreibung: Der feine Unterschied im Deutschen

Verstehen Sie deutsch? Gerade im Schriftlichen ist es mitunter höchst vertrackt. Ob man letztlich wirklich „gutes Deutsch sprechen“ oder nur ganz „gut deutsch sprechen“ kann – dazwischen liegt bisweilen ein himmelweiter Unterschied. Testfrage: Welche Schreibweise halten Sie für die richtige? Auf deutsch oder auf Deutsch? Und, fügen wir der Kompliziertheit halber doch einfach noch ein weiteres Wörtlein an, wie schreiben Sie die Redewendung dann: „Auf gut deutsch“ oder „auf gut Deutsch“? Sie sehen es: Bereits die richtige Groß- und Kleinschreibung der eigenen Sprachbezeichnung ist im Deutschen (sic!) für die allermeisten eine Herausforderung. Keine unwesentliche Schuld daran trägt die Rechtschreibreform selbst, welche die Neuregelung der Groß- und Kleinschreibung von Sprachbezeichnungen auf teilweise unlogische Schlüssen aufgebaut hat. Wer es genauer wissen will, kommt im Video-Tutorial „Auf deutsch oder auf Deutsch?“ von Belleslettres in den Genuss einer ganz hervorragenden Erörterung. Wer’s eiliger hat, der findet hier die wichtigsten Erkenntnisse übersichtlich zusammengefasst.

Richtig „deutsch sprechen“: Kleinschreiben ist die Regel

Wenn es um’s Deutschsprechen geht, so steht das kleine Wörtchen „deutsch“ (so wie auch spanisch, englisch, russisch etc.)  allermeistens in der Funktion eines Adverbs. Für diese Wortart gilt im Deutschen bekanntermaßen die Kleinschreibung. Wenn Sie die nachfolgenden Erörterungen also verwirren, dann sollten Sie sich im Zweifelsfall an die folgende Faustregel halten: Häufiger wird „deutsch“ (sprechen) als Adverb verwendet. Demnach wird es öfter kleingeschrieben. Ausnahme: Sobald das Adverb in irgendeiner Form substantiviert wird. In diesem Fall müssen sie es großschreiben.

Auf deutsch oder auf Deutsch: Wie schreibt man es richtig?

Adverb oder Substantivierung? Um auf die Schnelle zu überprüfen, welche Wortart Sie wirklich vorliegen haben, formulieren Sie Ihre Aussage doch einmal im Kopf in einen Fragesatz um. Entscheidend für die Bestimmung der Wortart ist nun, ob Sie primär nach dem „Wie?“ oder eher nach dem „Was?“ fragen. Während Adverbien (im Zusammenspiel mit den korrespondierenden Verben) stärker auf die Frage nach dem „Wie?“ reagieren, beantwortet die substantivierte Form in der Hauptsache die Frage nach dem „Was?“.

Beispiele:
Sie spricht perfekt deutsch.
Wie spricht sie?
Sie spricht fließend und perfekt deutsch.
Auf deutsch klingt das aber viel schöner!
Wie klingt es schöner?
Auf deutsch.

Mit der substantivierten Form des Adverbs „deutsch“ haben Sie einen modalen Akkusativ vorliegen. Man bezeichnet ihn auch als den Akkusativ des Inhalts, weil er implizite Informationen über den Inhalt (des Sprechens) mitliefert. In Abgrenzung zum Adverb wird der modale Akkusativ hier mit dem Hauptfokus auf die deutsche Sprache an sich verwendet. Nunmehr lautet die passendere Nachfrage nicht „wie?“, sondern „was?“, bzw. korrekter: „(auf/in) welche(r) Sprache?“.

Beispiel:
Sie spricht perfektes Deutsch.
Welche Sprache spricht sie?
Perfektes Deutsch.
Falls es Ihnen aufgefallen ist: Die Abgrenzung zwischen der Frage nach dem „Wie?“ bzw. „in welcher Sprache?“ ist nicht immer so eindeutig und trennscharf möglich. In bestimmten Kontexten können deshalb beide Schreibweisen richtig sein. Im Zweifelsfall bevorzugen viele Sprachwissenschaftler jedoch die Kleinschreibung.

So kommt es zur Substantivierung des Adverbs „deutsch“

Achtung! Hier ein typischer Fehler, der bei der Substantivierung des Adverbs „deutsch“ oft gemacht wird: Sobald man sich auf die deutsche Sprache im Allgemeinen bezieht, muss es lauten: „das Deutsche“. Beim inhaltlichen Bezug auf das generelle Deutsche ist die schwache Beugung unverzichtbar. Die starke Beugung („das Deutsch“) meint im Gegensatz dazu immer und ausschließlich ein spezielles Deutsch. Es ist daher nur gemeinsam mit einem irgendwie präzisierenden Attribut zulässig.

Schillers Deutsch (Genitivattribut)
das Deutsch von Goethe (Präpositionalattribut)
Beamtendeutsch (determinierndes Präfix)
Mein Deutsch ist nicht besonders gut (Possessivpronomen)
Deutsch, das man allerortens in Mallorca spricht (Attributsatz)
Deutsch, wie man es in Franken spricht (Adverbialsatz)

Foto: Bernd_Leitner – Fotolia

Eine Meinung

  1. Um + das = ums
    Auch nach der neuen Rechtschreibung.

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