Armut macht krank

(Foto: PixelQuelle.de/W. Zimmermann – Weihnachten am Kölner Dom)

Der Kongress "Armut und Gesundheit" ist aus einer studentischen Initiative entstanden und inzwischen zur größten regelmäßigen Veranstaltung im Bereich "Public Health" in Deutschland geworden. Die Veranstaltung wird von der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Berlin organisiert. Auf dem 12. Kongress wurden bis zum 2. Dezember Möglichkeiten diskutiert, die Gesundheitschancen von sozial Benachteiligten zu verbessern.[Pressetext]

Trotz aller gesundheits- und sozialpolitischer Sonntagsreden muss immer noch die deprimierende Diagnose gestellt werden: Armut macht auch krank [Tagesspiegel 02/12/2006] – Für eine moderne Industrienation ist das ein echtes Armutszeugnis und schlimmer noch, Erkrankungen wie Diabetes werden in Zukunft den Zusammenhang zwischen Armut und Lebenserwartung noch verschärfen [Diabetes Mellitus – Wohlstandsverwahrlosung als demographischer Faktor?] – nicht nur in Deutschland. [Weltweiter Anstieg der Diabetes-Fälle…]

Manchmal, in dunklen Momenten, beschleicht den ein oder anderen Zeitgenossen der üble Gedanke, dass diese Entwicklung, wenn nicht beabsichtigt, so doch billigend in Kauf genommen wird. Bereits im Juni diesen Jahres vertrat der Gesundheitsökonomen Karl Lauterbach die These, im heutigen Rentensystem subventionierten die Gering- verdiener die Altersbezüge der Besserverdiener. [SpOn, 6/2006: Heutiges Rentensystem benachteiligt Geringverdiener] 

Die unterschiedliche Lebenserwartung der verschiedenen Einkommensgruppen bewirkt eine Umverteilung von Arm zu Reich. Bei Menschen mit über 4.500 Euro Monatseinkommen liegt die Rentenlaufzeit bei durchschnittlich 18 Jahren, bei weniger als 1.500 Euro Verdienenden reduziert sie sich auf elf Jahre. Umgerechnet auf die Beitragssätze wäre eine Senkung des Rentenbeitrags für Bezieher von niedrigem Einkommen auf 15 Prozent da nur konsequent und gerecht. Der Beitragssatz für Bezieher höherer Vergütungen müsste allerdings auf 23 Prozent steigen. Selbstverständlich wurden Lauterbachs Aussagen nicht lange diskutiert und Konsequenzen hatten sie – ebenfalls selbstverständlich – auch nicht.

Es passt einfach zu gut ins Konzept, dass die Armen kürzer leben. Wenn nicht mehr ausreichend Arbeit für alle da ist und erst recht nicht genügend Geld für eine solidarische Altersversorgung, macht die erhöhte Armensterblichkeit doch richtig Hoffnung auf eine sozial- verträglich biologische Lösung des Problems.

Da kommt mir ein alter Weirdos-Song in Erinnerung: „We got the Neutron Bomb, it kills the poore and it kills them clean"

Die Chefarztfrau

5 Meinungen

  1. UPDATESchlechte Ernährung der Mutter kann zu Diabetes beim Kind führen Die WELT -online: Kann sich eine Mutter nicht ausreichend oder richtig ernähren, gibt sie ihrem Kind unter Umständen eine Veranlagung zu Diabetes mit. Ein untergewichtiges Baby hat ein um 15-fach gesteigertes Risiko, später zuckerkrank zu werden.

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