Wie hat sich doch die Welt verändert! Oder doch nicht?

Am Tag danach: Erschöpft, aber glücklich. Ein Kraftakt. Alles hat geklappt. Das Mandolinenorchester spielte wunderhübsch. Stefan Seeberg und seine Tänzerinnen und Tänzer wirbelten durch den Saal. Am Paravant hingen die Pelze und Kleider unserer Großmütter. Auf Puppen prachtvolle Kleider des 19. Jahrhunderts. Und wir hatten uns auch entschieden: Im ersten Teil der Lesung frech-elegant gekleidet, nach der Pause im Gehrock mit Jabeau und Zylinder resp. im schwarzen Samtkleid mit Schleppe. Udn dann auch noch Walzer tanzen. Hoher Stolperfaktor. Viel Applaus.

Die Textauswahl sicherlich ungewohnt für einige Zuhörer. Zu hart, zu schonungslos. Gegensätze: Im Königsbuch der Bettine von Arnim ist eine wissenschaftliche Untersuchung abgedruckt – die Zustände der Armenviertel Hamburgs ist dokumentiert. Sie essen ‚Erdäpfelhäute’. Es folgt eine bürgerlicher Menueplan aus 1884. Mit Kaviar und diversen Ragouts. Die Frauengestalten eines Theodor Fontane, der eindeutig Stellung für die pragmatischen Kleinbürgertöchter bezieht. Dann Heinrich Heines Spottgedichte, seine Politgedichte. Ein Exkurs über die Mode. Dazwischengestreut immer wieder Liebesgedichte. Eine zu brisante Mischung!?

Wir wollen mit dieser Lesung auf Tournee gehen. Sie hält nicht nur der Gesellschaft des Historismus einen Spiegel vor …

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