Auch eine Art Maifestspiel

ZEIT ZU BLEIBEN ist ein großes Kulturprojekt für Wiesbaden und seine Besucher und Teil des bunten Lebens in Biebrich. Eine Reise durch 50 Jahre Geschichte der Migration: Wir erkunden die Veränderung des Stadtteils, das Ziel der ersten Wiesbadener Gastarbeiter, die kamen um in den örtlichen Industrien zu arbeiten. Wir ergründen den Rhein als eine wichtige Transportroute in Europa und als Symbol der Sehnsucht. Wir entdecken die Wurzeln der Menschen, die hier leben. Soweit der Pressetext. http://www.zeit-zu-bleiben.de/

Entstanden ist ein wundervolles multimediales Kunstwerk: Da kommt ein Schiff mit den ‚bestellten Gastarbeitern’ den Rhein entlang, die Honoratioren schwingen Reden und sind betulich. Ein Türke und ein Grieche erinnern sich an die erste Bratwurst ihres Lebens. Im alten Zollamtsgebäude sitzen wir dann wie in den Wartesälen des Ausländeramtes und lauschen den Erzählungen. Wir erleben eine Hochzeit, sehen Breakdance/Hip-Hop-Darbietungen und diverse Tanzeinlagen aus den unterschiedlichsten Ländern.

In den letzten Szenen erwacht das alte Gebäude zu neuem Leben: in jedem Fenster wird eine kleine Geschichte erzählt, in und vor dem Haus spielen sich die Dramen und Komödien des Alltags ab und es endet mit einem großen Gesangs-Finale aller Beteiligten, angeführt vom Sologesang Kerims. Wir sind begeistert und nachdenklich – das (Zusammen-)Leben kann so schön, so reich sein. Für ein paar Stunden haben wir die Vielfalt der Kulturen genossen – und uns gewünscht, wir könnten so harmonisch miteinander leben. Es ist ein Anfang …

Hier wurde keine heile Welt vorgegaukelt, hier wurden Konflikte angesprochen und ausgetragen und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Und das alles ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Gutmenschen-Attitude, einfach mit Spaß und scheinbar leichter Hand. Super!

Den Initiatoren und Stückeentwicklern, Rüdiger Steiner, Leila Haas und Klaus Huhle, ein dickes Dankeschön für dieses besondere Maifestspiel und die Bitte: Macht weiter so, bringt die Menschen zusammen und zeigt, was wichtig ist. Nämlich Toleranz und Würde, gegenseitiges Verstehen und Anerkennen. Wie sagen die Macher so schön:One small step for each of us – a giant step for Biebrich. Und ich ergänze: and all Wiesbaden.

Ein Dank an Christian, der die Idee hatte und Karten besorgte und an Marie und Guido, die diesen Abend mit uns erlebten und zu einem köstlichen Mitternachtsimbiß einluden.

IDEE: Das ehemalige Zollgebäude von 1846 am Rheinufer wäre ideal als HAUS DER KULTUREN und ein Gewinn für ganz Wiesbaden.

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