Poesie und Politk: Geht das zusammen? Enzensberger in Boston

Das Institut für Human Science der Boston University organisierte in diesem Semester eine Vorlesungsreihe mit dem Titel Poetry and Politics. Die Lesung des deutschen Dichters, Verlegers und Essayisten Hans Magnus Enzensberger am 17.4.07 wurde mitorganisiert vom Goetheinstitut Boston und dem Literaturmagazin AGNI. Die Organisatorin Irena Gross kündigte Enzensberger mit den Worten an: dieser öffentliche Intellektuelle passt wohl am besten zum Titel dieser Vorlesungsreihe. Die Autorenlesung war eingeteilt in drei Abschnitte: zunächst las Enzensberger aus seinen Gedichtsammlungen vor (30 min). Daraufhin stellte I. Gross Fragen, die im Zusammenhang mit dem umfassenden Thema der Vorlesungsreihe standen; danach konnte das Publikum Fragen stellen.

(1) Gedichte

Enzensberger, stehend hinter dem Pult, gibt seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Poesie für sich selbst sprechen müsse. Deshalb lehnt er es auch ab, wie einige andere Dichter als Professor zu arbeiten bzw. zu lehren. Er liest dann englische Übersetzungen seiner Gedichte vor, die er teilweise selbst übersetzte oder sein Übersetzer Michael Hamburger. „Songs for those who know" klingt heute noch so aktuell wie in den 60er Jahren.

Enzensberger kann sein Publikum unterhalten: „Ich habe die Angewohnheit Gedichte über Gemälde zu schreiben, die nicht unbedingt exisiteren … das hat einige Germanisten bereits zur Verzweiflung getrieben."

„Notice of Loss" – ein Haar kann man verlieren, Zeit und die Beherrschung ebenso.

Besonders relevant für das heutige Amerika, ein Gedicht über Sicherheit, über einen Menschen, der in einer Kiste eingeschlossen ist, den Deckel nicht anheben kann, die Luft wird knapp … die Zuhörer sind gebannt und lachen an den richtigen Stellen. Es ist doch etwas besonderes, die Gedichte vom Dichter selbst zu hören, mit der beabsichtigten Betonung.

E: „Ich möchte jetzt etwas Neueres lesen, will sie schließlich nicht deprimieren …" Und wirklich bietet „The Visit" Grund zum lächeln. Es geht um einen Engel, der sich zum Dichter auf die Erde herunterließ, um zu diskutieren, zu streiten. Das lyrische Ich wartet unbeweglich bis der Engel verschwindet. Es ist das Unerwartete hier, denn sicher dachte jeder, jetzt geht das grosse Wortgefecht los.

Er war nicht unnahbar, wie man angesichts seines hohen Berühmtheitsstatus erwarten konnte. Enzensberger erschien menschlich in seinen einfachen Schlussfolgerungen zu Literatur, Politik und dem Status, der Verantwortung des Schriftstellers.

Auf dem Foto vom Büchertisch sind folgende Werke zu sehen: „Europe, Europe: Forays Into a Continent", „Lighter Than Air: Moral Poems", „Zig-Zag: The Politics of Culture and Vice Versa"

Der 2. Teil des Eintrages folgt morgen.

Keine Meinungen

  1. Chefarztfrauenfreund

    Ja da kommt doch bloß zusammen was zusammen gehört, oder?.Was ist denn der Unterschied zwischen so genanntem Aberglauben und dem, was Nichtabergläubige,aber,Gläubige als nicht Abergläubisch betrachten? Für Christen, Moslems und Buddhisten ist der Unterschied klar. Für die absolut überwiegende Mehrheit der Menschen allerdings ist das nicht zu Erkennen. Diese „Heiden“ sagen „Wo sind denn da Kleider“ (die des Kaisers natürlich)..Auch wenn die Polemik ja ganz nett sein könnte, sie schmeckt halt nach eingeschlafenen Füßen, wenn sie in dieser Weise mit diesem Gschmäckle von einem Evangelen kommt.

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