Found Footage: alte Bilder, neuer Kontext

Als „footage“ wird ungeschnittenes Filmmaterial bezeichnet, seit in den Anfangszeiten das 35 mm-Filmmaterial in der britisch-amerikanischen Maßeinheit „feet“ gemessen wurde.  Ein foot enthielt 16 Einzelbilder, „frames“, und entsprach zu Stummfilmzeiten einer Sekunde Vorführdauer.

„Found Footage“ bezeichnet entsprechend „gefundenes“ Filmmaterial, also Material, das nicht vom Künstler selbst gedreht, sondern collagenartig zusammengesetzt wird. Hieraus hat sich ein eigenes Genre entwickelt, das unter der Bezeichnung Found Footage bekannt wurde. Eigentlich sind es sogar zwei verschiedene Genres:

Found Footage und die Abgrenzung der Genres

Im Bereich des experimentellen Films wurde und wird diese Technik der filmischen Kollage verwendet, um durch die Zusammensetzung von teilweise bekannten, oft konventionellen und manchmal ikonografischen Bildern und die damit verbundene Erschütterung der normalen Sehgewohnheiten eine Metaebene zu kreieren, die oft einen ironischen Gegensatz zum verwendeten Material herstellt. Es gibt keine Dramaturgie, es wird keine Geschichte erzählt, der Zuschauer kann nicht konsumieren, sondern muss seinen Sinnzusammenhang quasi selber erarbeiten.  Ein sehr komplexes Beispiel dafür ist der Film „Tribulation 99“ von Craig Baldwin (1991).

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Found Footage Filme gibt es praktisch schon fast so lange wie es den laufenden Film als narratives Element gibt. Einer der ersten, der diese Methode nutzte, war der amerikanische Kollage-Künstler Joseph Cornell, der den damals populären Film „East of Borneo“, den er, mit Teilen anderer Filme versetzt, zu einem surrealistischen Werk mit dem Titel „Rose Hobart“ – nach der Hauptdarstellerin – umschnitt.  Mit dem Erfolg, dass Salvador Dali ihn beschuldigte, die Idee aus seinen, Dalis, Gedanken „gestohlen“ zu haben.

Die letzten Jahre

Im Video- und Digitalzeitalter sind viele Ideen des Found Footage in den kulturellen Mainstream übernommen worden, wie zum Beispiel in Musikvideos, in denen oftmals bekannte Filmsequenzen kollagenhaft eingesetzt werden.  Ein Beispiel hierfür ist das Video zum Song der Gruppe Queen, „Radio GaGa“, in dem Filmsequenzen aus Fritz Langs „Metropolis“ eine große Rolle spielten.

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Im Horrorfilmbereich wird der Begriff Found Footage völlig anders verstanden. Hier bezeichnet er die Inszenierung von scheinbar „echtem“, also nonfiktionalem Material, das als dokumentarischer, von den dem Horror zum Opfer Gefallenen hergestellter Erlebnisbericht ausgegeben wird.  Die Low-Budget-Produktion „Blair Witch Project“, die ihren durchschlagenden Erfolg dadurch erreichte, dass die Fiktion des Nonfiktionalen schon im Vorfeld massiv kolportiert wurde, ist dafür das beste Beispiel.

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