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    Bildung & Beruf

    Zielkonflikte oder Inkompetenz oder menschliches Versagen? Oder alles zusammen! Oder was?

    12. Januar 20073 Minuten Lesezeit

    Letzter Schultag, Weihnachtsfeier. Die Kinder sind ausgelassen und froh, einmal mit dem Klassenlehrer andere Dinge als Notenrelevante zu erleben. Womit sie nicht rechnen: Die allerletzte Schulstunde vor der Weihnachtspause ist … Religion. Und die Lehrerin ist wild entschlossen in diesem Moment einen Test zu schreiben. Die Kinder protestieren. Sie alle sind erst seit vier Monaten Gymnasiasten, es nützt nichts. Die Religionsfachlehrerin lässt ihrem besonderen Sendungsbewusstsein freien Lauf und erzwingt den – angeblich angekündigten – Test.

    Erster Schultag nach den Ferien. Religion. Der Test wird zurückgegeben. Von 34 Schülern haben 15 eine 6, 13 eine 5, 4 eine 4, einer eine 3 und einer eine 2. Die Lehrerin äußert ihren Unmut und deutet an, dass sich das Ergebnis mehr oder weniger 1:1, da es sich um den einzigen Test des Halbjahres handelt in der Zeugnisnote (in EINER Woche) abbilden würde, es sei denn, die Kinder gestalteten eine eigene Bibel mit ihren Lieblingssprüchen daraus bis MORGEN.

    Meine Tochter hatte eine 5 und war an diesem Tage kaum von der Erstellung einer eigenen Bibel abzubringen. Die ganze Familie lieferte Sprüche zu. Hallo?

    1. Warum ist es nicht möglich, zuverlässige Aussagen zum Zeitpunkt eines Tests zu kommunizieren? Soll die diffuse Aussage "irgendwann demnächst" die Kinder zum permanenten Lernen zwingen? Was, wenn jeder Lehrer so vorgehen würde? Die Kinder sind bereits ohne diese überzogene Anforderung mit Schule und Hausaufgaben bis rund 16 Uhr beschäftigt! Was wollen die hohlen Typen vom Lehrkörper denn noch?
    2. Wieso ist der Unterricht offenbar so sterbenslangweilig, dass er allein nicht ausreicht, um prüfungsrelevantes Wissen in den Köpfen der Kinder zu verankern? Noch vor einigen Monaten hat sich meine Tochter auf das Gymnasium gefreut. Jetzt hat sie schon keinen Bock mehr, morgens aufzustehen.
    3. Was treibt eine solche Religionslehrerin an? Soll den Kindern Religion nicht nahe gebracht werden? Will man nicht die christliche Gesellschaft fördern? Was hat es denn für Auswirkungen auf die Glaubensaffinität junger Menschen, wenn man sie in einem solchen wahlfreien Bereich "abzockt"? Ich dachte bislang, die Kirche hätte schon genügend Probleme. Mit solchen Lehrerinnen ist aber noch lange nicht Ende der Fahnenstange mit Blick auf leere Gotteshäuser und Kirchenaustritte. Ich habe meiner Tochter angeboten, künftig auf den Religionsunterricht verzichten zu dürfen!
    4. Wer wird später gefragt: "Was hattest Du eigentlich in Religion?" Es sei denn, er/sie will Pfarrer/in werden? Genau! Niemand. Eine 5 auf dem Zeugnis ist aber eine 5, unbesehen der Herkunft. Gesellt sich eine zweite hinzu, heißt es Wiederholung. Und wofür?
    5. Letzter Punkt. Wenn man schon beabsichtigt, seine Notengebung auf einem einzigen Test fußen zu lassen, weil man möglicherweise keinen Bock hat, derer zwei zu korrigieren, warum schreibt man diesen Test dann nicht in der Mitte der Notenfindungszeit? Wie es hier gelaufen ist, hat kein Kind mehr eine Chance durch mündliche Beteiligung glaubhaft zu versichern, dass die Testnote nicht dem allgemeinen Leistungsstand entspricht, denn Zeugniskonferenz ist nächste Woche bzw. nach der nächsten Religionsstunde….

    (Foto: www.pixelquelle.de / Fotograf: canonier)

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