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    Start » Werbung für Deutschland
    Finanzen & Handel

    Werbung für Deutschland

    17. Juni 20063 Minuten Lesezeit

    Wir dürfen gespannt sein, ob es uns dieses Jahr gelingt, auch den letzten davon zu überzeugen, dass sich die Zeiten geändert haben: den Briten. Sollte es zum Spiel England-Deutschland kommen, dürfte es den Jungs aus Fleet Street immer schwerer fallen, ihre Landserlyrik auf die Sportseiten zu packen.

    Oder ist es doch nur der Vorletzte. Wir sind der (nicht das) Letzte. Es wird wohl intern noch dauern, bis man den Unterschied zwischen Patriotismus und Partydekoration erkennt:

    „Partydekoration“ = irgendetwas Schwarz-Rot-Gelbgoldodersoinderartiges, was ich mit meinem Leib in Verbindung bringen kann.

    „Patriotismus“ – ein altes Wort von alten Menschen. Das interessiert genauso wenig wie „Du bist Deutschland!“ oder „Deutschland – Land der Ideen“.

     

    Hier sitzen Altvordere zusammen und instinktlos, den Bezug zur Realität völlig verlustig gegangen, eine ihrer Ansicht nach gute Tat beschließend. „Oh, lass uns einen Aufruf machen. Mehr Gemeinsamkeit, Zusammenhalt.“
    “Oh, ja das ist gut. So was wie „Die Reihen fest geschlossen.“  – nur moderner.“
    “Damals da waren wir noch wer.“
    “Ja.“ (und da in dem Moment niemandem einfiel was er sagen sollte, hoben alle das Glas und riefen:)

    „Deutschland!“

     

    Ja, so entstehen Kampagnen, die dann, damit es neutraler aussieht, ein Schweizer machen darf.

    Vielleicht (das war politisch korrekt. Richtig heißt es: 100%) liegt es daran, dass das gemeine Volk keinen Bock mehr auf Gemeinheiten oder Gemeinplätze hat – ganz im Gegensatz zu öffentlichen Plätzen. Die ziehen ein Volk an, dass – endlich mal nicht nur umgeben von seinesgleichen (ähnlich Urlaub – nur diesmal sind die ganzen Animateure hier) – sich so gehen lässt, wie es eben kann, und dabei Spaß hat.

     

    Klar versuchen irgendwelchen Deppen dafür einen Terminus zu kreieren, der auf deutsch „Volksglotzen“ hieße, und leider gibt es auch genug, die das einfach mal so nachplappern, aber er wird sterben – zumindest der Begriff. Für den Spaß hoffe ich das nicht – und das meine ich aus Werbersicht.

     

    Aus persönlicher Sicht ist das mein Spaß nicht. Aber es fällt auch genügend für mich ab. Wenn ich z. B. Menschen in T-Shirts sehe, die Aufdrucke wie „100% German“ oder „Absolute German“ zieren, kann ich doch schon herrlich lachen. (Für die, die den Witz nicht verstehen: Warum steht das, wo doch angeblich der Inhalt in Gänze deutsch sei, auf Englisch da?) Aber die Zeit der Logiker ist vorbei …

     

    Es kommt die Zeit der Lockerheit. (Und das ist das glatte Gegenteil von Patriotismus.) Jetzt müsste es nur noch Verantwortliche in den Tourismusabteilungen geben, die aufhören, aufgehübschte KDF-Broschüren unters teutsche Volk zu bringen, sondern verstehen, welches langfristige Potenzial hier gegeben ist und das auch umsetzen.

     

    Sonst könnte es sich begeben, dass die Welt wieder glaubt, die Deutschen seien neben Papst vor allem halt doch nur Bier, Wurst und Autobahn.

     

    Und das wäre nicht nur schade. Das wäre das Aus! Aber gönne ich das dem Tommy? 🙂

     

     

     

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