Der Wunsch nach Schönheit ist vermutlich so alt wie die Welt und durchaus verständlich. Die moderne plastisch-ästhetische Chirurgie macht es möglich, dass die Vision „Schönheit für alle“ wahr werden kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat das nötige Geld zur Verfügung. Doch da nicht jeder Schönheitswillige ein entsprechendes finanzielles Polster hat und nach wie vor Geiz geil ist, finden vermeintlich attraktive Angebote aus dem Ausland mehr und mehr Interessenten. Spezialisierte Agenturen vermitteln beispielsweise Beauty-OP-Reisen nach Osteuropa zu einem Bruchteil der hiesigen Kosten. Von „… sparen Sie bis zu 70% in unseren tschechischen EU-Schönheitskliniken … “ ist da die Rede, berichtet Brigitte online. Wer wird da nicht schwach? Wenn dann auch noch der behandelnde Arzt Deutsch spricht, erklärt, er habe in Deutschland studiert, sich Zeit für das erste Gespräch nimmt und auch die Klinik einen guten Eindruck macht, ist doch alles prima. Theoretisch ja, doch wo Licht ist, ist auch Schatten.
Selbstverständlich gibt es im Ausland gut ausgebildete Fachärzte für plastisch-ästhetische Chirurgie. Es gibt aber auch die andere Kategorie. Ärzte, die von plastisch-ästhetischen Operationen so viel Ahnung haben, wie eine Kuh vom fliegen. Ich denke, es ist entscheidend, bei etwaigen Plänen besonders wachsam zu sein und sich vor allem nicht von Sonderkonditionen einlullen zu lassen. Im In- und Ausland sind Fachärzte entsprechenden Fachgesellschaften angeschlossen. Das bedeutet, dass diese Mediziner eine fundierte Ausbildung vorweisen können. Doch woher bekommt man die Adressen dieser virtuosen Skalpellschwinger? Aus dem Netz, logisch! Ein Beispiel: Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) hat auf ihrer Website kompetente Fachärzte aus dem Ausland (Zürich, Brüssel, Marbella, Paris, St. Gallen, Basel, Nizza, Kitzbühel, Mallorca usw.) gelistet. Vorsicht ist allerdings bei Blogs (außer natürlich germanblogs!) und Foren angesagt, denn man weiß nie, wer die Einträge verfasst. Es ist gut möglich, dass sich ein nicht spezialisierter Arzt selbst anonym in den höchsten Tönen lobt und die Leser davon ausgehen, ein zufriedener Patient habe sich online verewigt. Auch die schönste Website ist kein Indiz dafür, dass die ausgewählte Klinik und das Team ebenso top sind.
Worauf man sich ebenfalls nicht einlassen sollten, sind Ferndiagnosen per Telefon oder E-Mail. Wie soll das auch funktionieren? Wollen Sie etwa Ihre Nase, Ihre Tränensäckchen oder Ihren Busen einscannen und die Fotos zwecks Begutachtung weitermailen? Würden Sie so bei einem medizinisch notwendigen Eingriff vorgehen? Sicher nicht, hier würden Sie doch auch Wert auf ein persönliches 4-Augen-Gespräch legen. Ein weiterer Tipp: Konsultieren Sie unbedingt mehrere Fachleute. Wenn Sie sich Schuhe, eine Digitalcamera oder ein neues Auto kaufen wollen, schauen Sie sich doch auch erst in aller Ruhe herum und vergleichen Preis, Qualität und Angebot. Wenn Sie sich schon auf einen medizinisch nicht notwendigen Eingriff einlassen, dann minimieren Sie unbedingt Ihr Risiko so weit wie möglich. Merke: Das Risiko tragen Sie allein, nicht Ihr Operateur. Lassen Sie deshalb nur die Besten ihres Faches an Sie heran – WEIL SIE ES SICH WERT SIND!
Wer seinen Urlaub mit einer plastisch-ästhetischen Verschönerung im Ausland verbinden will, dem empfehle ich die Lektüre des oben erwähnten Brigitte-Beitrags. Und: Lassen Sie sich unbedingt Zeit. Ihre Speckröllchen oder Fältchen sind morgen auch noch da – glauben Sie´s mir!
