Diesmal also hieß das Symposium, das diese Leistungsschau der Computerkultur begleitete: Simplicity – The art of complexity. John Maeda kuratierte und moderierte die Veranstaltung – kompetent, anregend, amüsant. Eben veröffentlichte er auch sein Buch über die Laws of Simplicity. Der Sohn japanischer Einwanderer gefiel mir in der lebensnahen Art, das komplexe Thema aufzugreifen. Und Bögen zu schlagen – von Design zu Technologie und Business bis zum Leben. Da waren schon mal Fotos des Himmels über Cape Cod, geschossen beim letzten Familienurlaub, oder von der kleinen Tofu-Fabrik der Eltern, der er allzu gerne entfloh, um die Schule zu besuchen.
Maeda geht es um das einfache Leben, nach dem wir uns alle sehnen. Spätestens wenn wir bei den hundert Funktionalitäten des neuen Handys den Überblick verlieren. Aber unser Leben ist nun mal kompliziert geworden – wie Computer es eben auch sind. Er stellt 10 Gesetze auf, die mehr Einfachheit ins Leben bringen. Er fängt an mit
REDUZIEREN. Das heißt, entscheiden lernen und Unnötiges weglassen. Unwichtiges verstecken, Dinge schrumpfen – „klein ist besser“, behauptet Maeda.
ORGANISIEREN. Das beginnt mit sortieren und mit Prioritäten setzen. Maeda ist ein großer Fan von Labeln, die Ordnung und Übersicht schaffen.
TIMEN. Niemand wartet gerne, schon gar nicht in der Schlange. Wenn Zeit effizient genützt wird, ist das eine der besten Erfahrungen von Simplicity. Und wenn Warten unvermeidbar ist, wie bei einem größeren Download, dann ist es zumindest hilfreich, wenn der Balken jeden Moment anzeigt, wie lange es noch dauert.
LERNEN. Wer ständig lernt, dem erscheinen komplizierte Dinge einfach. Müssten wir beim Handy-Kauf einen Hand-Führerschein machen, so wie beim Auto, dann würden wir ganz selbstverständlich mit diesem Ding umgehen, sagt Maeda.
Die weiteren Gesetze der Einfachheit lassen sich auf Maedas Simplicity-Seite finden. http://lawsofsimplicity.com Denn ich will´s mir für heute einfach machen und komme zum Schluß: Das schönste für mich war, dass die Ars Electronica die komplizierte Materie, wie Simplicity & Complexity zusammengehen, am zweiten Tag der Veranstaltung in ein Ambiente verlegte, das pure Einfachheit symbolisiert: Raus aus der Industriestadt Linz, hinaus aufs Land, ins Kloster St. Florian. Wo Mönche seit hunderten Jahren das einfache Leben praktizieren. Ein schönes Bespiel, wie das Erlernen von Simplicity durch einen passenden und inspirierenden Rahmen aus der puren Theorie hinein ins wirkliche Leben transferiert wird.
Ich mag Maeda. Nicht nur weil er als einer der Großen des (Graphic) Designs Wegweisendes geleistet hat, sondern weil er mit diesem Buch die Hoffnung gibt, dass heute Leben und Welt nicht hoffnungslos komplex sein müssen. Kompliziert sein kann fast jeder. Das Genie liegt in der Einfachheit. Und Maeda ist für mich einfach genial.
Photos: Christoph Santner