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    Start » Hey, willste nen Zeitvertrag?
    Bildung & Beruf

    Hey, willste nen Zeitvertrag?

    1. August 20062 Minuten Lesezeit

    Soziologen bezeichnen diese seit 2003 verstärkt erkennbaren
    Arbeitsverhältnisse auf Widerruf als „prekäre“, zutiefst unsichere Beschäftigungen.
    Auch in diesem Bereich zeigt die heutige deutsche Wirtschaft ihr neues,
    unansehnliches Gesicht, Ausfluss der fortschreitenden Amerikanisierung.  Hochqualifizierte Berufseinsteiger werden gern
    genommen. Vor allem als Ein-Euro-Kraft, als unentgeltliche Praktikanten oder –
    im besten Falle – als Minijobber.

    Dabei wird selbstverständlich voller Einsatz erwartet. Und
    die Einsteiger bringen diesen Einsatz auch. Sie hoffen schließlich, indem sie
    durch Leistung überzeugen, einen festen, relativ sicheren Arbeitsplatz und
    dadurch Raum für eine vernünftige Lebensplanung zu erhalten. 

    Leider täuschen sie sich mit dieser Erwartung fundamental in
    der deutschen Wirtschaft. Dort geht es zunehmend nur mehr um Ausbeutung, Abzocke
    und Rentabilität um jeden Preis. Die soziale Verantwortung des Kapitals, ein
    Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft gerät in Vergessenheit, ohne dass die
    Politik dieser Entwicklung irgend etwas entgegen zu setzen hätte. Geschweige
    denn, dass sie dem erkennbar etwas entgegen setzen wollte.

    Dabei muss man 
    paradoxerweise noch froh sein, dass die derzeitige Regierung eine
    sozialdemokratische Beteiligung beachten muss. Die sogenannten Liberalen als
    Regierungspartner wären noch weit skrupelloser in dieser Frage. Nach deren
    Philosophie könnte jeder Deutsche in Kürze drei bis vier Jobs haben, um in der
    Lage zu sein, seine Familie  zu ernähren.
     Eben wie in Amerika. Dort war es bereits
    1984, als ich zum ersten Mal in diesem Land eigene Erfahrungen machen durfte, so.

    Der Witz, wie so häufig in solchen Themenkreisen, ist, dass
    die Leute, die heutzutage bestimmte Qualifikationen verlangen, um auch nur
    einen Minijob auszukehren, selber diese Qualifikationen in der Regel gar nicht
    haben. Damals, ja da hat sie noch funktioniert, die Mär vom Tellerwäscher nicht
    eben zum Millionär, aber mindestens mal zum festangestellten  Mitarbeiter mittleren bis gehobenen
    Managements.

    Nach meiner persönlichen Erfahrung sind es diese Leute, die
    aus anderen als sachlichen Gründen, Hochschulabsolventen versuchen klein zu
    halten. Ganz profane psychologische Gründe spielen da eine Rolle. Schau mal,
    ich habe bloß Volksschulabschluss, aber diesem Schnösel von der Uni zeige ich
    jetzt mal, wo der Hammer hängt.

    Leider funktionieren diese Karrieren so nicht mehr. Wir könnten
    es ihnen also nicht nachmachen, selbst wenn wir es wollten. Die gute Nachricht
    ist: Wir müssen diese Generation lediglich noch aushalten.  Nach dieser Übergangsfrist sind wir dran! Dann
    gibt es auch wieder Perspektiven, oder??

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