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    Start » Hessen entlässt Lehrer über die Ferien
    Bildung & Beruf

    Hessen entlässt Lehrer über die Ferien

    25. Juli 20063 Minuten Lesezeit

    Pünktlich zum Ferienbeginn schießt die Zahl der in Hessen
    arbeitslos gemeldeten Lehrkräfte in die Höhe. Der Sachverhalt sieht aus Sicht
    des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft dabei folgendermaßen aus: ein Großteil der auf BAT Basis befristet
    beschäftigten Lehrkräfte wird zum Schuljahresende aus dem Schuldienst entlassen
    und zum Beginn des neuen Schuljahres wieder eingestellt. Dies sei eine vom Land
    Hessen verordnete Plünderung der Sozialkassen.
     
    Peter Pilger, DGB-Organisationssekretär für Mittelhessen und
    Versichertenvertreter im Verwaltungsrat der Arbeitsagentur Wetzlar sagte dazu:
    „Die Landesregierung beschäftigt ihre Lehrkräfte im Stile von
    Saisonarbeitern und bedient sich damit aus Beiträgen der Arbeitnehmer und
    Arbeitgeber an die Bundesagentur für Arbeit.“
     
    Auch die
    Arbeitsagentur Marburg verkündete am 17. Juli: „Im Bezirk der AA Marburg haben
    sich zum 15. Juli insgesamt 87 Lehrerinnen und Lehrer, die bislang im
    Schuldienst befristet über Zeitverträge beschäftigt waren, bei der Agentur für
    Arbeit arbeitslos gemeldet. Da sich erfahrungsgemäß nur die Lehrer bei der
    Agentur für Arbeit melden, die auch Anspruch auf die Zahlung von
    Arbeitslosengeld I haben, dürfte die tatsächliche Zahl der Lehrkräfte, deren
    Zeitverträge zum Schuljahresende endeten, noch deutlich darüber liegen.“ Denn
    Arbeitslosengeld I erhalten nur Menschen, die vom Tag der Arbeitslosmeldung an gerechnet innerhalb der letzten zwei
    Jahre 360 Kalendertage eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit nachweisen
    können.
     
    Nach
    Angaben des staatlichen Schulamtes für den Landkreis Gießen und den
    Vogelsbergkreis sind bereits neun Prozent aller Lehrkräfte nur noch in
    befristeten Arbeitsverhältnissen eingestellt.
    Und
    es sollen noch mehr werden. So besagt das neue Konzept „Unterrichtsgarantie Plus“, dass Unterrichtsausfall zukünftig durch Einsatz von Honorarkräften
    bekämpft werden soll. Zu einer Neueinstellung von Lehrern mit unbefristeten
    Verträgen soll es nicht kommen. Schuldirektoren können demnach eigenständig
    Aushilfskräfte einstellen. Ein Großteil dieser Lehrerinnen und Lehrer musste
    sich mit Ferienbeginn arbeitslos melden.
     
    Diese
    Methode ist in Hessen nicht neu. Bereits seit 2003 werde dieses üble Spiel mit
    den BAT Beschäftigten gespielt, erläutert Walter Schäfer vom GEW-Kreisverband
    Wetzlar und Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Lehrerinnen und Lehrer
    beim dortigen staatlichen Schulamt. „Es geht um Versetzungen und um
    Abschlussnoten. In dieser wichtigen Phase, in der über die langfristigen
    Chancen von Schülerinnen und Schülern entschieden wird, werden die Lehrkräfte
    zusätzlich auch noch mit Fragen ihrer eigenen beruflichen Zukunft
    belastet.“ Denn das Versprechen, nach den Sommerferien wieder eingestellt
    zu werden, ist vage.
     
    Dieses Vorgehen der hessischen Landesregierung ist mehr als fragwürdig.
    Ist es doch gerade Roland Koch, der immer weitere Verschärfungen bei den Sozialleistungen wegen angeblichen Leistungsmissbrauchs fordert. Und den
    Anspruch „Bildungsland Nr. 1“ zu werden, wird man so nur schwerlich erreichen. 

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