Es gibt einen uralten jüdischen Witz:
Herschel geht es schlecht, er beklagt sich bei Gott, dass es eigentlich allen anderen immer besser geht als ihm selbst. Alle haben mehr Geld, größere Autos, schönere Häuser und bessere Familien. Aber eigentlich ist es das Geld. Laufend werden Menschen zu Millionären, weil sie in der Lotterie gewinnen. Herschel selbst hat noch nie gewonnen, er muss immer nur arbeiten gehen und verdienen tut er viel zu selten. Warum kann nicht einmal er in der Lotterie gewinnen. Es muss ja nicht gleich die Million sein, ein paar ´zig Tausend würden ja schon reichen, aber nein, er würde nie gewinnen…
Da reicht es Gott und er brüllt Herschel an: „Gib mir eine Chance, Herschel! Kauf Dir ein Los!!!"
Ich melde mich also zurück aus dem Urlaub und aus der Sommer-Trägheit, obwohl der Sommer noch anzudauern scheint.
Der alte Herschel-Witz dient mir im Coaching manchmal dazu erfolgreich eine gewisse Selbstbedauerung gepaart mit Trägheit und sich selbst ausbremsenden anderen Gedanken aufzulösen. Neulich klappte es nicht beim ersten Anlauf. Denn mein Kunde war tief in sich und sein Unglück versunken, so dass er konterte: Ja, aber wenn Herschel so eine unglückliche Geschichte hatte, dass ihm jemand quasi verboten hatte ein Los zu laufen? Oder andere alle Lose gekauft hatten? Oder er so erzogen worden ist, keine Glücksspiele zu machen?
Ja, dann… Dann funktioniert der Witz nicht. Und so manches andere auch nicht. Solange wir uns als Opfer verstehen, bleiben wir Opfer. Eigentlich nichts Neues, aber immer wieder erstaunlich, wie intensiv die Opferhaltung kultiviert werden kann.
Ich hoffe, Sie ziehen los und kaufen sich Lose! Manchmal sind sie sogar kostenlos!!
Herzlichen Gruß,
Detlef Scheer
