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    Start » ?Eingeölt und angeschmiert? ? Über Spiegel Online, Fußball und Selbstzensur
    Finanzen & Handel

    ?Eingeölt und angeschmiert? ? Über Spiegel Online, Fußball und Selbstzensur

    28. Juni 20064 Minuten Lesezeit

    Aber
    langsam.

    Worum
    geht’s? Um die italienische Nationalmannschaft, die durch ein Tor in
    der
    Nachspielzeit gegen Australien das Viertelfinale der WM erreichte. Der
    Elfmeter
    welcher zum Tor führte war (und ist) sehr, sehr, sehr umstritten. Viele
    sagen, geschenkt.

    Das
    Weiterkommen der „Squadra Azzura“ war also mindestens glücklich. Allein dies
    bietet also schon reichlich Stoff für Diskussionen (was man übrigens auch in
    unserem Fussballblog nachvollziehen kann).

    Außerdem
    veranlasste es Achim Achilles, seines Zeichens Kolumnist bei Spiegle Online,
    einen satirischen, vor Hohn und Spott triefenden Beitrag zu verfassen. Mittlerweile
    wurde dieser Beitrag aus dem Netz genommen weil er „[…]
    die Grenzen des guten Geschmacks [überschritt], in anderen [Teilen]
    häufte er Klischees an, die in der Summe zu Missverständnissen und
    Empörung geführt haben.“

    Herrje, Was hat der gute Achim denn da geschrieben? Wir würden es nie
    erfahren, doch zum Glück gibt es Blogger, besser eine Bloggerin namens Shana123, die schnell genug war und den entsprechenden Text via Copy/Paste gerettet
    hat. Dafür ein großes DANKE an Shana.

    Und hier nun also der satirische Blick von Achim Achilles auf unsere
    italienischen Nachbarn:


    „Der italienische Mann, nennen wir in Luigi Forello, ist eine parasitäre
    Lebensform. Er ist nicht in der Lage, ohne fremde Hilfe zu überleben. Irgendwo
    saugt er sich immer fest. Und dann lässt er sich fallen. Gern auch auf dem
    Fußballplatz. Luigi Forello ist fortgesetzt damit beschäftigt, seine
    Hilflosigkeit zu zeigen. Das fängt schon beim Namen an. Wer nicht Luigi heißt,
    hört auf „Andrea“ oder „Luca“.




    Luigis vorrangiges Lebensziel ist das Vermeiden von Anstrengung. Liebstes
    Wirtstier ist „La Mama“, seine großbrüstige Erzeugerin, die ihm seine
    halbseidenen Socken wäscht und jeden Tag Nudeln kocht, mit dick Soße drauf.
    Wenn er ungefähr 30 Jahre alt ist, wechselt der italienische Mann die Köchin.
    Er heiratet, um sich fortzupflanzen. Die Folgen sind grausam. Eine ehemals
    strahlend schöne Italienerin verwandelt sich binnen weniger Monate in eine
    breithüftige Küchenmaschine – eine neue Mama. Das ist ihm aber egal, denn Luigi
    ist mit der Teilnahme an einem Autokorso beschäftigt, sofern sein klappriger
    Fiat es bis dahin schafft. Zum Essen ist er aber wieder da.




    Beim Sport ist unser Luigi besonders tückisch, wie man jedes Jahr
    millionenfach an den Stränden der Adria beobachten kann. Er braucht Stunden, um
    seinen schmächtigen Körper und das Haupthaar einzuölen, seinen Rücken von
    Fellresten zu befreien und sein wenig spektakuläres Gemächt in eine viel zu
    enge Badehose zu stopfen. Dann stolziert er stundenlang umher, um schließlich
    maximal fünf Minuten beim Strandfußball mitzumachen. Er springt wie ein
    Wahnsinniger umher, imitiert brüllend Gesten, die er im Fernsehen gesehen hat,
    trifft den Ball höchst selten, die Knochen der anderen dafür umso härter.




    Weil er schnell erschöpft ist, genügt ihm die leiseste Berührung eines
    Gegners, um melodramatisch zu Boden zu gehen. Noch im Stürzen wirft er einen
    Blick ringsum, ob im Publikum genügend Menschen sind, insbesondere Frauen, die
    ihn bemitleiden und wieder aufpäppeln. Schmachtende Blicke deutscher
    Urlauberinnen sind die Lebensgrundlage des italienischen Mannes.


    Insofern geschah gestern nicht Ungewöhnliches. Fabio Grosso fiel im
    Strafraum und grinste noch im Fallen. Der nicht minder ölige Francesco Totti
    verwandelte dann den Elfmeter gegen Australien. Danach lutschte er am Daumen.
    Das ist normal bei italienischen Männern. Es war wie immer. Am Freitag werden
    die kickenden Holzfäller aus der Ukraine eingeölt und angeschmiert. So
    schlawinern sich die Italiener mal wieder bis ins Halbfinale. Dann, liebe
    Luigis, ist allerdings Feierabend. Wir haben da noch ein paar Rechnungen vom
    letzten Italien-Urlaub offen.“

    (via Shana`s Tagebuch)

    Warum nur nimmt SPON so ein Meisterstück der Satire aus dem
    Netz? Warum nur?

    Ein typischer Fall von Selbstzensur? Übertriebene politische
    Korrektheit? Angst vor der eigenen Courage? Und das beim einstigen „Sturmgeschütz
    der Demokratie“?

    Klar, der Text strotzt vor Klischees, Vorurteilen und Stereotypen.
    Aber die „Grenzen des guten Geschmacks“ (wer legt denn die überhaupt fest?) überschritten?
    Nein, nein und nochmals nein! Beschwert sich irgendjemand, wenn in britischen
    Blättern Deutschland immer noch per Stechschritt, Pickelhaube und dem Zweiten
    Weltkrieg symbolisiert wird? Nein.

    Also, lieber Spiegel, liebe Italiener, bitte ein wenig mehr
    Gelassenheit!

    Grazie.

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