Meine nach wie vor vertretene Grundthese lautete, dass sich Venezuela durch das „Ermächtigungsgesetz" der letzten Woche endgültig vom demokratischen Pfad verabschiedet hat. Daniel hielt dem entgegen, dass dies vor allem die Opposition zu verantworten hat, weil sie die Wahlen 2005 boykottierte.
Erstens waren die Wahlen 2005 keineswegs so unumstritten demokratisch. Zweitens ist es zwar politisch recht dumm und blauäugig eine Wahl zu boykottieren (zumindest unter den damaligen Umständen), dennoch kann es nicht der Opposition angelastet werden, dass die Demokratie in Venezuela langsam aber sicher den Bach runter geht. Schließlich waren es Chavez und seien Anhänger, die das „Ermächtigungsgesetz" verabschiedeten. Nicht die Opposition. Hugo Chavez ist der Diktator nicht Herr Rosales
It`s the economy stupid!?
Ferner wurde auf das angeblich imposante Wirtschaftswachstum unter Chavez verwiesen. Als Quelle wurde u.a. das Auswärtige Amt angeführt. Das gleiche Auswärtige Amt schreibt dazu:
„Seit Jahrzehnten steht und fällt die Wirtschaft Venezuelas mit den Erdöleinnahmen. […] Seit Ende 2003 wuchs die venezolanische Wirtschaft wieder deutlich, wobei das hohe Wirtschaftswachstum des Jahres 2004 in Höhe von 17% vom wirtschaftlichen Tieftststand [sic!] des Vorjahres ausging. 2005 wurde ein Wachstum von 9,3% erreicht. Für 2006 sagen Wirtschaftsexperten ein Wachstum von ca. 8% voraus. […] Die Inflation lag im Jahre 2005 bei ca. 13,5%."
Zur Interpretation der Daten: Der Ölpreis kannte in den letzten Jahren nur eine Richtung – nach oben. Er stieg binnen drei Jahren von rund 30 auf z.T. über 70 US Dollar an. Das die Wirtschaft in den letzten Jahren wuchs, ist also keine große Überraschung. It`s the oil stupid!
Schaut man sich aber auch noch die Inflationsrate an, weiß man was man davon zu halten hat. Im Jahr 2005 gab es ein Wirtschaftswachstum von 9,3 % bei einer Inflation von 13,5 %. Dies macht in der Summe einen Kaufkraftverlust (!) von über 4% aus. Dies wiederum heißt nichts anderes, als dass der Otto-Normal-Venezolaner sich weniger leisten konnte als im Jahr zuvor – trotz sprudelnder Öleinnahmen.
Für 2006 sieht`s übrigens noch schlechter aus. Das Wirtschaftswachstum soll laut Schätzungen bei 8,8 % liegen, die Inflation bei 15,8 %. Macht einen realen Kaufkraftverlust von 7 %.
Von den Beschäftigten in Venezuela stehen übrigens nur rund 55 % in regulären Beschäftigungsverhältnissen. Der Rest verdingt sich im sog. „informellen Sektor" – zu deutsch: auf dem Schwarzmarkt.
Wie viele Belege braucht es noch, damit auch das „Rote Blog" einsieht, dass der Sozialismus weder wünschenswert noch praktikabel und schon gar nicht sinnvoll ist?
