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    Start » Die Gedanken sind Blei
    Finanzen & Handel

    Die Gedanken sind Blei

    4. August 20063 Minuten Lesezeit

    Kreative sind ein seltsam‘ Volk. Gerne halten sie von viel von sich, ihrer Phantasie, ihrer Fähigkeit, Dinge schön darzustellen, Menschen zu verzaubern, aber verkaufen…???? Nö, das wollen sie nicht. Viele, viele von ihnen haben mit Werbung eher ein Problem und für die Kunst kein Gespür, geschweige denn MUT. Also, Werbung. Da kann man gestalten (basteln?) und Geschichten erzählen (schwafeln?). Furchtbar….

    Interessant aber, dass solche „Kreative“ bei vielen Marketinghalbverantwortlichen gut ankommen. Klar, eine Sau erkennt eine andere am Gang. Der Magnetismus der Mediokrität. Dumm nur, dass es dann doch immer wieder einen gibt, z. B. Chef, der von seiner Kommunikation mehr erwartet als kompromisslose Reihenhauskompatibilität, was dann auch ihm den Ruf des Schleifers einbringt – intern wie extern. Und wofür? Für seine Forderung nach Ideen….

    Wie bekommt man nun Ideen? Nun, ich weiß nicht, wie man Ideen bekommt. Ich weiß nur, WO ich sie bekam. Nie in der Agentur (höchstens aufm Klo), sonst gerne auf dem Weg von der Arbeit oder beim Morgenkaffee. Man muss halt den Mut haben, auf einen Einfall waten zu können. Man muss sich selbst vertrauen. Tut ein Kreativer so was?

    Sagen, zumindest, tut er’s. Fakt aber ist, dass so ziemlich die erste Tat im Rahmen einer Ideenfindung doch der nach einem Jahrbuch der Werbung, ADC oder Lürzer’s ist. Natürlich kann man auch sonstwo im Internet „recherchieren“, wobei die Aufgabe ja nicht ist, einen akademischen oder journalisischen Aufsatz zu verfassen, sondern eine Kampagnenidee zu entwickeln. Die sollte vielleicht zuerst dran kommen und dann kann man einen Junior immer noch damit beauftragen, die einschlägigen Quellen abzugrasen, ob man da nicht was kupfert.

    Es ist von Übel und eigentlich gereicht es nicht der Ehre, wenn man blättert und surft statt denkt, spielt, versucht und weiter denkt. Texter, die den halben Regenwald für ihre „Ideenskizzen“ opfern, Grafiker, die Stunden auf Bilddatenbanken verbringen, Kontakter, die immer nur wissen, was nicht geht und das, dafür so ziemlich alles, was es gibt, als referentiell ansehen, und Mediaplaner, deren Vorschläge und Analysen vom Kickback bestimmt sind, sind nicht so selten die traurige Realität.

    Ursprünglich wurde die Idee begriffen als ein Urbild, das einer individuellen Wirklichkeit zugrunde liegt. Heute wird sie eher so definiert, dass von ihr eine Wirkung ausgeht, die Aufmerksamkeit bündelt, sowie eine Kraft, sich in alle Richtungen auszudehnen.

    So steht es etwas arg kurz in Wikipedia. Aber nicht falsch. Nur: Geht von dem, was man so präsentiert bekommt, eine Wirkung aus? Eine Kraft? Noch interessanter wird es bei Wiktionary, dass einer Idee folgende Bedeutung gibt:

    [1] meistens plötzlich auftretender Gedanke, der Erfolg bei etwas verspricht

    Das, wie man heute so sagt, klingt gut, beschreibt aber das Übel. Denn der Erfolg ist nicht die Kraft, die oben erwähnt wird, sondern das bloße „OK“ vom Kunden. Leider nicht nur für Kontakter und Kundenberater, sondern leider auch für immer mehr „Kreative“.

     

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