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    Start » Dann wäre mein Vorteil auch der des Anderen
    Besser Leben

    Dann wäre mein Vorteil auch der des Anderen

    23. Oktober 20062 Minuten Lesezeit

    Gelebte Wissenschaft: Am 20. Oktober 2006 fand an der Kölner Uni die Einführungsveranstaltung zum Hauptseminar „Zur Theorie der Wirtschaftspolitik“ statt. Doch so trocken wie das klingt, war’s beiliebe nicht. Prof. Ralph Anderegg wagte den Sprung aus dem Elfenbeinturm und lud zwei Vortragsredner ein: Florian Sarnow und Kai E. Schulze. Sie präsentierten eine gänzlich neue Theorie – die Anreizkorrigierte Soziale Marktwirtschaft.

    Erster Punkt war die Kritik am Ist-Zustand Deutschlands. Dabei kam u.a. zur Sprache, dass Ärzte und Pharmaindustrie hierzulande nach Krankheit entlohnt würden und nicht nach Gesundheit. Das bedeutet konkret: Wird ein Patient krank und bleibt er es dazu noch, dann klingeln die Kassen. „Gesundheit und Prävention lohnen sich dagegen nicht“, erklärte der frisch diplomierte Betriebswirt Dipl. Kaufmann Florian Sarnow.

    Dieses Dilemma könnte – so der Redner – durch das chinesische Medizin-Prinzip geändert werden. „Die Erwartungswerte für Krankheiten und deren Kosten müssten entsprechend der Altersstrukturen und Vorerkrankungen errechnet werden“, erläuterte Sarnow. Wird’s billiger, bekommt der Arzt fürs Eingesparte ein Bonushonorar: „So wird präventive Gesundheitsförderung belohnt.“

    Doch damit die Gesellschaft und das System gesunden, sollte man noch mehr im Auge haben. „Das Problem ist, dass immer neue Bedürfnisse geschaffen werden, um diese dann anschließend befriedigen zu können“, so Sarnow. Dazu gehört auch die Werbung für ungesunde Konsumgüter, wie Tabak, Alkohol und Süßigkeiten, die zwar kurzfristig Wohlbefinden stiften, aber langfristig krank machen. Auch das Ansehen von gesellschaftlichen Werten wie Renommee und Erfolg, sollte unter die Lupe genommen werden. Denn nicht nur der Arzt verdiene letztendlich mehr an Krankheit als an Gesundheit. Auch Rechtsanwälte bekämen beispielsweise mehr Honorar, wenn sie ihren Klienten nicht zu schnell zum Sieg verhelfen. Diese Vorstellung vom erfolgreichen „Geldmachen“ wird dann über die Generationen weitergeben.

    Hier, wie auch in vielen anderen Punkten, müsste unsere Gesellschaftsordnung korrigiert werden. Ein idealer neuer Ansatz wäre: Man sollte nicht die negativen, sondern die positiven Ergebnisse belohnen – das genau ist der Kern der „Anreizkorrigierten Sozialen Marktwirtschaft“. „Dann wäre mein Vorteil auch der des andern“ – brachte Kai E. Schulze diese neue Form des alten Tauschhandels auf den Punkt. Der Vortrag löste eine lebhafte Diskussion aus, bei der auch an Kritik nicht gespart wurde. Aber immerhin: Es gibt neue Denker, neue Theorien und es wird darüber geredet. Und das ist doch schon mal ein guter Anfang für eine Veränderung.

    Foto: Kai E. Schulze, Prof. Ralph Anderegg, Florian Sarnow

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