Gestern saß ich mit einem Kunden zusammen und er "beklagte" sich darüber, dass er darunter leide, immer wieder Menschen zu enttäuschen. Er wäre immer sehr bemüht dies zu vermeiden, aber es würde ihm immer wieder passieren.
Als ich ihm sagte: "Da tun Sie aber mehr für Ihre Parter als die meisten anderen !", schaute er mich völlig irritiert an.
Aber ich meinte es ernst: Was kann einem Besseres passieren als enttäuscht zu werden?! Also eben "ent-täuscht" ?
Das Wort gibt es doch her: Wenn ich jemanden ent – täusche, dann nehme ich ihm eine Täuschung und die Verhältnise sind klar. Nun können beide wieder klar denken und deutlich entscheiden, jeweils zu den eigenen Gunsten!
Und dafür könnte man ja sogar dankbar sein, oder?
Denn in diesem Sinne ist eine Ent – täuschung sogar eine Dienstleistung. Was mache ich als Coach eigentlich Anderes, wenn ich durch Coaching dazu beitrage, dass jemand seine Ressourcen realistisch einschätzt und folglich in der Zukunft keiner Täuschung mehr aufsitzt?
"Wir sind nicht auf der Welt, um andern zu gefallen!", ein nicht nur in der Gestattherapie beliebter Ausspruch. Und deswegen ist es besser, Menschen zu ent – täuschen, als sie monate- oder gar jahrelang zu täuschen. Z.B. in dem man ihnen in einer Ehe jahrelang vergaukelt, man würde sich ändern. Auf der Basis der Forderung an sich selbst oder andere, niemanden zu enttäuschen, wachsen die schrecklisten stressgeladenen Verhältnisse auf unerfüllten Erwartungen und unbefriedigenden Lebensentwürfen, wächst das gegenseitige Ausbremsen ohne jeden Grund und andere Horrorszenarien von Beziehungen, die meist erst viel zu spät bemerkt werden.
Also: Wenn Sie jemanden ent- täuschen können: Dann schnell ans Werk! Alles andere ist unterlassene Hilfeleistung!
Herzlichst,
Ihr Detlef Scheer
