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    Start » Conditio sine qua non
    Bildung & Beruf

    Conditio sine qua non

    13. November 20073 Minuten Lesezeit

    Ich war bei "Conditio sine qua non" stehen geblieben. Ein sehr gebräuchlicher Ausdruck im Übrigen. Besonders Bildungsangeber benutzen sowas ja gern. Sie wissen schon, diese Typen, die keinen Lebenslauf, sondern ein curriculum vitae haben, häufiger schon mal die Ultimatio ratio für erforderlich erachten, stets primus inter pares sein wollen und in dubio pro reo nur dann anwenden, wenn sie selbst der reo sind. Dann wird stante pede schon mal ad hoc nolens volens Unangenehmes honoris causa ad acta gelegt.

    Sie sehen schon, Latein ist eine tolle Sache. Sollte man unbedingt lernen. Sie fragen cui bono? Na, also mindestens mal honoris causa. Erwähnte ich doch schon. Außerdem könnte man es vielleicht gezwungener-, nicht sinnvollermaßen brauchen, wenn man Mediziner oder sowas hochpreisiges werden will. Und weil es so schön kompliziert ist, gehört es natürlich zwingend auf den Lehrplan der Gymnasien. Wer, wenn nicht die Herren und Damen Oberstudienräte sollten der verweichlichten deutschen Nachkriegsjugend denn bitte ein solches Relikt ansonsten aufzwingen dürfen? Und das nicht etwa als Nebenfach, nein ein Hauptfach, gleichbedeutend mit Mathe, Deutsch und Englisch muss es bitte schön sein.

    So quälen die Gymnasien seit Jahrhunderten ihre Schüler. Auch ich gelangte in den äußerst zweifelhaften Genuss, dieses Konstrukt aus Worten erlernen zu müssen. "Am leichtesten lernen das Schüler, die gut in Mathe sind." Sagte der Lateinlehrer auf einem Elternabend im Sommer. Und gegen meinen ausdrücklichen Rat wählte meine Tochter zu Beginn dieses Schuljahres die unsägliche Sprache, die seit bald 1000 Jahren keiner mehr spricht, mit Ausnahme von Ratze und seinen Jungs. Relativ relaxed dachte ich: "Muss sie halt durch, wenn sie’s unbedingt will."

    Was ich dabei vergaß, ist allerdings gravierend. Meine Tochter gehört zu einem der ersten Jahrgänge, die das Abitur in insgesamt 12 Jahren erreichen sollen. Und bekanntlich haben sich unsere politischen Bildungsexperten ja nicht mit der Fragestellung befasst, was denn dann aus den Lehrplänen rausgekürzt werden muss und kann und haben dementsprechend auch nichts rausgekürzt. So muss man also, statt wie zu meiner Zeit in der siebten Klasse, nun schon zu Beginn der sechsten Klasse mit dem Erwerb der Lateinkenntnisse beginnen.

    Ich will gar nicht über die Frage philosophieren, inwieweit Elfjährige schon in der Lage sind, eine derart abstrakte, formalistische Sprache zu erfassen, obwohl das mit Sicherheit auch seine Berechtigung hätte. Ich will hier einmal eine ganz simple Tatsache feststellen: Für den Lateinunterricht braucht man Kenntnisse verschiedener grammatikalischer Konstrukte, die man im Deutschunterricht erwirbt. Allerdings im Deutschunterricht der sechsten Klasse…

    Na? Merkt einer was? Es kam, wie es kommen musste. Die Kids in der Klasse meiner Tochter sind da, wo man sie nicht hinwünschen würde. Die erforderlichen Deutschkenntnisse sind noch nicht vermittelt, aber der Lateinunterricht ist bereits an diesem Punkt angelangt. Conditio sine qua non? Nicht in den Augen unserer Bildungsprofis… Diese Pfeifen, die.

    [Fotoquelle: www.pixelio.de / Templermeister]

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