Berühmt geworden ist er durch das auf den Kopf stellen seiner Motive. Allerdings sehe ich die üblicherweise vorgebrachte Theorie darüber mit Skepsis. Angeblich wollte er mit dem Umdrehen der Motive, seine Bilder gegenstandslos bzw. abstrakt machen. Dabei negiert er den eigentlichen Bildgegenstand und lässt den Betrachter mit Form und Farbe allein. Dazu muss man natürlich sagen, dass er angeblich seine Bilder auch umgedreht malt. Sonst wäre es auch zu einfach. Allerdings frage ich mich schon lange, warum die Betrachter nicht längst all seine Bilder „richtig“, oder besser gesagt andersrum anschauen. Warum müssen wir uns seiner Vorgabe beugen. Vielleicht wartet Baselitz geradezu darauf, dass seine Bilder in den Museen und Galerien endlich umgedreht werden. Ich habe keine Kenntnis davon, aber vielleicht hat es die Bilder von Baselitz schon mal so gegeben.
Wie auch immer. Seine momentane Arbeit heißt jedenfalls „Remix“. In dieser malt er ausgewählte Schlüsselwerke aus seiner Frühzeit noch mal. Auch das empfinde ich indirekt als eine Aufforderung an den Betrachter. Dazu Baselitz in einem kürzlich veröffentlichten Interview in der SZ: ».. Es gab mehrere Gründe. Einer war der Überdruss, ständig neues produzieren zu müssen, dauernd das Material zu verändern. Ein anderer, wichtiger Auslöser war, dass ich mich seit einiger Zeit mit jungen Künstlern konfrontiert sehe, die voller Unschuld Bilder malen – noch dazu in unmittelbarer Nähe meiner sächsischen Heimat. Ich betone: voller Unschuld. Weil sie offensichtlich noch nicht gehört haben, dass man keine Bilder mehr braucht.«
Falls ich jemals die Gelegenheit dazu habe, drehe ich alle seine Bilder um. Auch die „Remix“ Serie!
Aktuelle Baselitz Ausstellungen: Remix, in der Pinakothek der moderne München, noch bis zum 29 Oktober.
