Auf jeden Fall die Erkenntnis, dass es der offensive
Angriffsfussball schwer hat gegen defensiv ausgerichtete Mannschaften zu
bestehen. Besonders wenn diese mit Defensivspezialisten erster Güte
ausgestattet sind. Das zeigt die diesjährige Finalbesetzung deutlich. Beide
Teams, Italien wie Frankreich, haben ihr System auf ihre starke Abwehr und das
ebenso starke defensive Mittelfeld ausgerichtet und haben so den Angriffsdrang
von Deutschland, Portugal und Co. erfolgreich unterbunden.
Beispiel Frankreich:
Nachdem der französische Trainer Domenech zu Beginn des
Turniers noch hart für seine defensive Taktik kritisiert wurde, überhäufen ihn
die Medien in der Heimat jetzt mit Lob. Demenches Erfolgsrezept ist eindeutig seine
defensive Ausrichtung. Mit Vierra und Makele kann er auf zwei Spitzenkräfte im
defensiven Mittelfeld zurückgreifen, die die gegnerischen Angriffsbemühungen
oft schon im Keim ersticken. Dazu kommt
eine weltklasse Innenverteidigung mit Gallas und Thuram. Darauf aufbauend agierten
die Franzosen bis jetzt äußerst geschickt und setzten den pfeilschnellen Henry
immer wieder brandgefährlich mit Kontern ein.
Ähnlich verhält es sich mit den Italienern. Auch hier setzt
der Trainer Lippi auf seine Defensiv“künstler“ Nesta, Cannavaro, Zambrotta und Gattuso.
Diese Akteure sind Meister der Spielzerrstörung und die Garanten für Italiens
Finaleinzug.
Beide Systeme stützen sich auch auf die Erfahrung ihrer
Schlüsselspieler und beide haben mit Pirlo und Zidane geniale Spielmacher, die jedes
Spiel mit ihren Geistesblitzen entscheiden können. So bitter es auch ist für
den attraktiven Angriffsfussball, es scheint sich wieder einmal eine alte
Sportweißheit bewahrhaltet zu haben:
Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Turniere.
