Im evangelischen und im katholischen Gottesdienst wird für gewöhnlich das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen, nachzulesen im Gesangbuch, wenn man nicht Textsicher ist. Die Geschichte dieses Textes ist nicht vollständig zu erhellen. Die heutige Fassung hat sich erst im 10. Jahrhundert durchsetzt, entstanden ist sie wahrscheinlich im 6. Jahrhundert im südwestlichen Gallien, geht aber auf einen Vorgänger aus dem 4. Jahrhundert, der in der römischen Gemeinde in Gebrauch war. Was viele Menschen gar nicht wissen: Das Glaubensbekenntnis steht nicht in der Bibel!
Es gibt noch ein weiteres altkirchliches Bekenntnis, das sogenannte Glaubensbekenntnis von Nizäa – Konstantinopel aus dem 4. Jahrhundert, benannt nach seinen Entstehungsorten. Dessen Text stand schon bei seiner Entstehung weitestgehend fest und ist heute vor allem in den östlichen Kirchen in Gebrauch. Bei uns wird dieses Bekenntnis vor allem an hohen Feiertagen gesprochen. Es steht ebenfalls im Gesangbuch.
Diese beiden Texte sind aber bei weitem noch nicht alles, was es am Markt so alles an Bekenntnissen gibt aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie sollen den Inhalt des christlichen Glaubens zusammenfassen – in ihrer Zeit und unter den Bedingungen der Zeit ihrer Entstehung. Sie sind keine überzeitlichen und für alle Zeiten gültigen Texte, die vom Himmel gefallen sind. Sie entwickeln sich in der Geschichte. Eines der jüngsten Bekenntnisse ist die sogenannte Barmener Theologische Erklärung, die sich gegen die Gleichschaltung der evangelischen Kirche durch die Nazis richtet – ebenfalls im Gesangbuch nachzulesen und sicherlich auch irgendwo im www.
Ein besonderes Exemplar habe ich in der Kirche eines Kollegen entdeckt. Es stammt von einem Konfirmanden:
Ich glaube an Gott
und an Jesus Christus.
Ich glaube,
dass Gott den Urknall erschaffen hat.
Ich glaube.
dass Jesus gelitten hat.
gestorben ist, auferstanden ist.
Ich glaube.
dass es den Teufel gibt.
der der ständige Widersacher Gottes ist. Der uns verleitet Schlimmes zu tun wie Kriege. Attentate. Diebstähle. Aber Gott lässt uns auch leiden.
um uns zu belehren.
Ich glaube.
dass alle Religionen
(z.B. Christen. Muslime. Hinduisten. Budhisten) an einen Gott glauben.
den sie in anderen Ansichten sehen. Verschiedene Teile von ihm
wie das Friedliche,
das Strenge.
Gläubige sind sie nur.
Natürlich ist der Text durch traditionelle Sprache geprägt und hinter dem einen oder anderen Satz muss man auch ein Fragezeichen machen – besonders hinter den mit dem „Teufel“ und dem „Belehren“ – aber hier ist jemand auf dem Weg und hier macht sich jemand seine Gedanken über Gott und die Welt und er kann sie auch verantworten. Und er wird kommunikationsfähig: es gibt etwas, worüber man reden und sich streiten kann. Und das ist es, was zählt: Wer etwas bekennt, der muss es auch verantworten können, der muss sagen können, was er meint. Man darf nicht stehen bleiben und mit dem Nachdenken über seinen Glauben aufhören!
