Wild at Heart

Sailor und Lula, zwei wilde, amerikanische Teenager oder auch junge Twens, lieben sich. Das ist schonmal die erste, banalste, aber auch wichtigste Botschaft. Die beiden hassen ihre Eltern, besonders Lula’s Mutter, die einen Killer nach dem anderen auf Sailor ansetzt. Die beiden fliehen in einer Hetzjagd vor Mutter, Killern und der eigenen, gewalttätigen Vergangenheit nach Westen – und geraten dennoch in einen Strudel halbwegs und vollends irrer, gefährlicher Gestalten, bis die aus den Fugen geratene Welt sie letztlich einholt. Einziger „Ausweg“ : Billige Träume.

David Lynch’s Werk ist so bildgewaltig, daß Worte hier nicht mithalten können. Aber um die Handlung geht es auch nicht. Die Story ist so drittklassig wie auch die Novelle von Barry Gifford, auf der der Film beruht. Erregend ist hier nicht der Kampf der Charaktere, ob sie „es schaffen“ oder ob sie „gewinnen“, sondern der Kampf der Bilder: Lynch’s Amerika wimmelt von billigen, sinistren Abziehbildern amerikanischer Ikonen, deren Wertlosigkeit umso deutlicher wird, je umbarmherziger er sie auf die Leinwand zerrt. Selbst Sailor und Lula sind nur traurige Imitationen amerikanischer Pop-Figuren, die entsprechend aufgetakelt aussehen und sich entsprechende Sätze zuwerfen. Sie wirken dadurch trotz all ihrer Liebesbeweise und ihres permanten Vögelns (das ist hier der passendste Ausdruck… 🙂 merkwürdig entrückt und oft lächerlich, doch der Eindruck ist oberflächlich. Es geht eher darum, daß die Zeichen, die Bilder, die den beiden in ihrer Welt zur Verfügung stehen, nicht mehr ausreichen. Gelingt es einem, dies hinter der heftigen, gewaltigen Inszenierung zu erkennen, gewinnt der Film an Tiefe, eine bestimmte Verzweiflung wird spürbar. So z.B. wenn Sailor und Lula durch die leere Wüste fahren, im Radio nichts als Terrornachrichten zu hören sind, bis Sailor schließlich entnervt am Radio dreht, und endlich den ‚ultimativen‘ Rocksong findet, der die beiden verbindet. Wie verrückt springen sie aus dem Auto, rocken und tanzen, bis sie sich atemlos in einem verglühenden Sonnenuntergang in die Arme fallen. Worte sind hier nicht mehr notwendig.

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