Wiedersehen mit Schwester Elke

Da
schaltet man den Fernseher ein, zappt sich langsam warm und landet irgendwann
schließlich auf PHOENIX. Mit etwas Glück kann läuft gerade eine interessante Dokumentation,
bei der man dann hängen bleibt, weil sonst gibt’s ja eh nur Schrott im TV. So
wie letzten Donnerstag. Und da war sie plötzlich! Als sie auf dem Bildschirm
erschien, konnte ich beinahe körperlich spüren, wie ihre Hand sanft und gütig
über meinen Kopf streichelt.
 
Schwester
Elke, eine von vier Neu-Pensionären, die Uta König in ihrem Film „Der Tag vor
dem Ruhestand“ bei ihrem Übergang ins Rentnerdasein begleitete, war 34 Jahre
lang Säuglingsschwester im Marien-Krankenhaus in Hamburg. Und genau da habe ich
sie getroffen, ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Schwester
Elke war einer der ersten Menschen, die ich kennen lernte, nachdem ich das
Licht der Welt erblickt hatte. Mein Glück, dass ich planmäßig noch gar nicht
dran war, so konnte ich ein paar Wochen länger in der Klinik bleiben und mit
Elke Freundschaft schließen. Doch dann wurde ich irgendwann in die große weite
Welt entlassen und verlor sie aus den Augen.
 
Viele Jahre
ohne Elke gingen also ins Land, bis ich sie jetzt endlich wieder sehen durfte. Diese
zweite Begegnung vollzog sich jedoch unter umgekehrten Vorzeichen: Damals war
ich im gläsernen Kasten und schaute durch meine Scheibe in die Welt hinaus, in
Elkes Welt. Letzte Woche aber, da war sie es, die im Kasten lebte und ich
derjenige, der davor saß und durch die Scheibe Anteil an ihrem Leben nahm. Und
ich spürte: Egal ob Brutkiste oder Flimmerkasten, unsere Freundschaft würde niemals
sterben.

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