Wie eine Mutter den Selbstmord ihres Sohnes verarbeitet – Buchtipp

200 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren sollen sich laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder– und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie pro Jahr das Leben nehmen. Dazu kommen 30 bis 40 Suizide von Kindern im Alter von zehn bis 14 Jahren.

Und selbst Kinder, die noch jünger sind, sollen bisweilen mit dem Gedanken spielen. Eine grausame Tatsache. Es gibt (fast immer) deutlich erkennbare Warnzeichen, die leider oft von der Umgebung entweder nicht wahrgenommen oder aber abgetan werden. Doch selbst wenn es nicht zum Selbstmord kommt, allein der Gedanke daran entsteht aus einer für das Kind oder den Jugendlichen lebensbedrohenden Situation heraus. Meist emotional lebensbedrohend.  

Eine Mutter, deren Kind sich das Leben genommen hat, ist die Amerikanerin Anne Puryear. Sie ist heute Therapeutin und hat sich in den USA als Heilerin und Spezialistin zum Thema Selbstmord und Leben nach dem Tod einen Namen gemacht.

In ihrem Buch „Stephen lebt" beschreibt sie die Kindheit und Jugend ihres Sohnes, die Familienkonstellationen und auch selbstkritisch bis selbstzerstörerisch die Momente, die wohl für Stephens Suizidentscheidung relevant waren. Die Frau ist sich sicher, von ihrem Sohn aus dem Jenseits kontaktiert worden zu sein. Sie verarbeitet in den inneren Gesprächen mit Stephen seine Entscheidung und findet endlich die Nähe zu ihm, die vorher zwischen den beiden gefehlt hat.

Es handelt sich hier nicht um eine schriftstellerische Meisterleistung, muss es ja auch gar nicht. Es handelt sich um eine zu Papier gebrachte Leidensgeschichte. Der sehr spirituelle Erfahrungsbericht eines Menschen, der zu verarbeiten versucht und so langsam heilen kann. Das Buch geht einem nahe. Und es könnte auch anderen helfen, den Weg ins eigene Leben wieder zurückzufinden.

Anne Puryear: „Stephen lebt! – Leben, Suizid und Jenseits meines Sohnes Stephens", erschienen im Mai 2007 als Taschenbuch bei ullstein, € 8,95.

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