Wahrheit als Waffe: Clooneys Good Night, And Good Luck

„Good Night, And Good Luck.“ Mit diesen Worten pflegte Edward Murrow die Zuschauer seiner CBS-Fernsehsendung „See It Now“ zu verabschieden. Viel Glück – das hat er an Anfang 1953 auch wohl sich selbst wünschen müssen. Auf dem Gipfel des von Senator McCarthy inszenierten Feldzugs gegen die angebliche kommunistische Infiltration bringen Murrow und sein Produzent Fred Fiedler eine Reportage über den Air-Force-Piloten Milo Radulovich. Der war aus der Armee geflogen, weil Mutter und Schwester mit den Kommunisten sympathisierten.
Erstmals bezieht damit jemand Position gegen die Willkür, Paranoia und Verfassungsfeindlichkeit der Tribunale McCarthys – und das vor einem Millionenpublikum. CBS-Sponsoren ist die Sache viel zu heiß, doch Senderchef Paley stellt sich hinter seine Männer. Als ruchbar wird, der Senator aus Wisconsin plane als Reaktion auf den Bericht eine Attacke gegen Murrow, kommt dieser ihm zuvor. Murrows luzides und rhetorisch brillantes Porträt in „See It Now“ vom 9. März 1953 präsentiert den Politiker als Fanatiker.
In seiner Gegenoffensive versucht McCarthy den Journalisten als Mann aus Moskau und „Anführer des Schakalrudels“ zu brandmarken. Doch er entlarvt sich nur selbst. Längst hat er den ersten Spatenstich für sein eigenes Grab getan.

Sinnlich-lakonisches Kammerspiel

George Clooney modelliert diese Ereignisse nun auf der Leinwand nach, in gestochenen, kontrastreichen Schwarzweiß-Bildern direkt aus der Höhle, nein, nicht des Löwen, sondern seiner letztendlichen Bändiger. Ein Kammerspiel, Innenräume pur. „Good Night…“ tastet die Gesichter seiner Protagonisten ab, atmet die Welt der Fernsehstudios ein. Das hat erst einmal etwas von einem beseelten Museumsgang: Wir meinen die allgegenwärtigen Schwaden von Zigarettenrauch zu riechen, den auf Redaktionstischen kalt gewordenen Kaffee und die vollen Aschenbecher, spüren die Hitze der Studiobeleuchtung.
Als Schutzwall gegen Nostalgie und Journalisten-Romantik stellt Regisseur Clooney seine Darsteller auf: Er selbst spielt den CBS-Produzenten Fred Fiedler mit äußerster Zurückhaltung, Robert Downey Jr. als Reporter Joe Wershba tut es ihm nach. Und auch der Oscar-nominierte wunderbare David Strathairn, der Murrows Mimik und Manierismen perfekt adaptiert hat, übt sich in Lakonie.
So ganz will das nicht immer klappen. Vielleicht muss Strathairn einmal zu oft sein „Good Night, And Good Luck“ deklamieren, vielleicht nimmt die Kamera ihn einmal zu oft aus ehrfürchtiger Untersicht auf. Aber George Clooney, selbst Sohn einer Nachrichtengröße des US-Fernsehens, ist eben auch nicht unbedingt ein großer Regisseur. Sein Film mit klarem Statement ist der Film eines klugen Bewunderers, eines hoch begabten Volontärs, nicht unbedingt der eines Regiekünstlers.
Einer stellt sich übrigens selbst dar: Von Joseph McCarthy gibt es in „Good Night, And Good Luck“ nur echtes Archivmaterial zu sehen. Bei Testvorführungen sollen einige Zuschauer moniert haben, der McCarthy-Darsteller spiele ja reichlich überzogen…

Eine Meinung

  1. Kleine Kammerstück eines Volontärs trifft die Sache ziemlich auf den Kopf, Dirki! Dieses Stück US-Geschichte hat unsereiner kaum so bis ins Detail auf der Pfanne, denke ich. Muss man auch nicht. Allerdings liefert der Film einige Wahrheiten zum Thema Meinungsfreiheit, Denunziation und Zivilcourage.

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