Von der Sommer-Sendepause in den TV-Winterschlaf

Urlaubszeit heißt für mich meistens: fernsehfreie Zeit. In den vergangenen drei Ferienwochen war also Sendepause für mich. Auch wenn im Hotelzimmer mal ein Fernseher rumstand – die Kiste bleib aus. Okay, bis auf eine Ausnahme: Die Liveübertragung von „Figaros Hochzeit“ im ORF – ohne dem Herrn Schmidt seinen Senf. Bin trotzdem dabei eingeschlafen. Und ich habe sonst auch nicht viel vermisst ohne TV. Vom Fußball mal abgesehen.

Wenn ich mir die Programmankündigungen der Sender für die kommenden Wochen ansehe, könnte mir das mit dem Einschlafen noch öfter passieren. Fernsehen nach dem vierwöchigen Fußball-Rausch bei ARD, ZDF und RTL – kein einfaches Geschäft. Nicht für den Zuschauer und schon gar nicht für die Programmveranstalter. Nach dem Gezerre um die Übertragung der Spiele der Bundesliga gibts – als gigantische Werbeveranstaltung für das Arena-Pay-TV-Paket – die legendäre Konferenzschaltung einmalig, umsonst und für alle bei SAT.1 zu sehen. Der erste Bundesligasamstag am 12. August ist bei mir fest als TV-Termin gebucht.

Noch eine gute Meldung: Herr Wickert ist ab Ende August nicht mehr Mr. Tagesthemen. Der Nachrichten-Mann hat unbestritten seine Verdienste, aber in den letzten Jahren wirkte er müde und unkonzentriert, seine Souveränität verfiel zusehends. Es wird höchste Zeit, dass er aufhört. Die schlechte Meldung: Wickert macht weiter! Ab 7. September wird sich der „homme des lettres“ einmal im Monat im Ersten mit Autoren über ihre aktuellen Werke unterhalten. Zu diesem Zweck hat die ARD mit Denis Scheck bereits einen passablen Literaturexperten. Im hauseigenen Feuilleton-Wettbewerb kann Wickert nur verlieren. Auch er vergibt, wie seine Kollegin Christiansen, die Chance, in Würde abzutreten. 

„Wickerts Bücher“ können mich also nicht vorm Eindämmern bewahren, vielleicht aber Stefan Raab. Der fährt mit einer neuen Krawall-Show wieder TV-Eskapismus vom alten Schlag auf. Ab 23. September wagt sich der Entertainer, Wok-Weltmeister, Turmspringer und Stockcar-Champion an das Format „große Samstagabendshow“: In „Schlag den Raab“ bekommt ein Kandidat die Chance, im Duell mit dem ehrgeizigen Moderator 500.000 Euro zu gewinnen. Dazu muss er in zehn bis fünfzehn Disziplinen Sportlichkeit, Wissen, Mut und Willensstärke aufbieten, um das ProSieben-Schwergewicht Raab niederzuringen. Scheitert der Kandidat, wandert das Geld in den Jackpot. Dann gehts in der nächsten Sendung um eine ganze Million. Einfach, effektvoll, erfolgversprechend – gutes altes Brot-und-Spiele-Fernsehen eben.

Einmal Bundesliga und ein bisschen Raab – das reicht noch nicht, um meine Sommer-Sendepause zuverlässig zu beenden. Was der TV-Herbst noch an guten Sendungen und schlechten Neuigkeiten zu bieten hat, gibts demnächst zu lesen.

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