Total from Joy Division to New Order: Doppel-Best Of mit Schwächen

Gleich zwei Bands, die den Sound der 80er prägten und auch heute noch Inspiration für Electro-, Wave- und Postpunkbands bieten, werden auf „Total from Joy Division to New Order“ zusammen gefasst, zum einen Joy Division, die aufgrund des Selbstmordes ihres Frontmanns Ian Curtis lediglich zwei Alben veröffentlichten, damit aber dem Postpunk ein großes Denkmal setzten, zum anderen New Order, die sich nach Curtis“ Tod zusammen fanden und die Düsternis von Joy Division ein wenig ablegten, um mit Synthies zu spielen.

Total from Joy Division to New Order

Einen Einblick in die Verbindung beider Bands bietet Comedian und Journalist David Quantick auf Englisch, allerdings ist es ein etwas unsympathischer Einstieg, in dem Quantick uns aufklärt, dass die 80er ansonsten nichts zu bieten hatten und dass New Order es doch tatsächlich geschafft hatten, in Amerika erfolgreich zu werden, ohne George W Bush treffen zu müssen, oder Cowboystiefel zu tragen. Ignorante Überheblichkeit passt gerade zu Joy Division nicht wirklich, die zwar nur mit 5 von insgesamt 18 Songs vertreten sind, damit dennoch eine musikalisch interessante Auswahl präsentieren.
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Die Sammlung der Songs ist chronologisch angelegt, beginnt mit Joy Divisions „Transmission“ aus dem Jahre 1979 und endet mit einem exklusiven New Order Track aus dem Jahre 2011 namens „Hellbent“. Schade ist dabei, dass im Booklet zwar alle möglichen Infos zu den Songs stehen, nicht aber die Alben, auf denen sie zu finden sind, obwohl genau das auf einem Best Of zweckdienlich wäre.

Joy Division- 5 Songs zum Reinschnuppern

Natürlich darf der Klassiker „Love will tear us apart“ nicht fehlen, aber zusammen mit dem sperrigen Lo-Fi Stück „She's lost control“ und dem atmosphärisch, fast schon romantischen „Atmosphere“ wird schnell klar, wie viel Einfluss die Band aus Salford auch heute noch auf den Shoegazer Trend, die neue New Wave Welle inklusive Editors und Interpol, als auch den vielen eher unbekannten Postpunk Bands hat.
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New Order – Trendwende

Bereits ein paar Monate nach dem Tod von Curtis fand sich die Band unter dem Namen New Order zusammen. Die Abmachung, unter einem anderen Namen weiter zu machen, sollte ein Mitglied aussteigen, hatten sie bereits vor Curtis“ Tod gemacht, tatsächlich lehnt die erste Songauswahl auf Total, „Ceremony“ rein musikalisch sehr an die Postpunk Wurzeln an, zeigt jedoch gleich auf, dass Bernard Sumners Stimme, als auch eine glattere Produktion im Gegensatz zu Joy Division weitaus Radio freundlicher waren, was sich auch in dem späteren Erfolg der Band wiederspiegelte. Trotzdem gelang es mit dem 1981 veröffentlichten New Order Debüt „Movement“ nicht, den Erfolg des zweiten Joy Division Albums „Closer“ zu erreichen.

Das gelang erst, als 1983 „Power, Corruption and Lies“ auf den Markt kam, beziehungsweise die Single „Blue Monday“, die sich zum Ärger der Musikfans nicht auf diesem Album befand, das im Strom des Erfolgs des eindringlichen Songs jedoch dennoch genügend Absatz fand und New Order ins rechte Licht rückte.

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Postpunk vs. Synthpop

Spätestens nach diesem Track muss man sich allerdings fragen, ob es wirklich eine so gute Idee war, beide Bands auf einem Album zusammen zu führen, denn auch wenn es teilweise die selben Bandmitglieder waren, ähnlich wie ein Genesis Best Of kann man damit nur die Wenigsten rundum glücklich machen, da zwischen „Atmosphere“ und Synth-poppigen 80er Dancehymnen wie „The Perfect Kiss“ wirklich wenig Berührungspunkte liegen. Dass die Waage aufgrund des erheblich größeren New Order Outputs auch nicht gegeben ist, erschwert es außerdem, „Total from Joy Division to New Order“ wirklich als gute Idee zu sehen, denn wo ein New Order Best Of keine Wünsche offen lassen würde (auch wenn der Fußballsong „World of Motion“ ein wenig peinlich ist, inklusive Rapeinlage), erkennt man in Zusammenstellung mit Joy Division Werken – so spärlich sie gesät sind, wie sehr der Tod von Ian Curtis ihren Sound verändert hat und dass die Musik nicht zwangsläufig schlechter, aber doch weniger eindringlich wurde.
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Fazit:

Die Titelauswahl zur Songgeschichte beider Bands ist gelungen, aber die selben Musiker machen nicht zwangsläufig die selbe Musik und auch wenn es sicher diverse Fans beider Bands gibt, die kein Problem haben, New Order und Joy Division parallel zu hören, ein Best Of dürfte nicht an die gerichtet sein, die eh schon alle Platten von ihnen haben, den exklusiven Track „Hellbent“ können die sich auch downloaden, so dass dem Frischling ein Einstiegssampler bleibt, der leider zu zerrissen wirkt, um wirklich im Durchlauf zu begeistern.

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