Titan und Zentimetermann

Beckett in Berlin. Internationales Festival und Symposium. Vor sechs Jahren in der Akademie der Künste, Hanseatenweg. Das old school Literaturhaus mit seinen Jacobsen Möbeln, Natursteinwänden und geheimnisvollen Gästezimmern, in denen auch ER logiert hat. Damals erinnerten sich Becketts Berliner Assistent Walter Asmus und der Mime Rick Cluchey an ihre Arbeit mit Beckett. „He was the director of inches“, sagte Cluchey, der sein halbes Leben lang den Krapp gespielt hatte. Und da hatte er wirklich recht. Beckett war der Zeremonienmeister der Kleinigkeiten, ein Pedant, aber ein guter. Wer einmal eins der Miniaturdramen gesehen hat, „Tritte“ oder „Rockaby“, weiß genau, was gemeint ist. Alles dreht sich um winzige Veränderungen der Mimik, des Lichts, der Betonung. Ein Handexemplar mit Becketts hingekritzelten Textvarianten („Ekel!“ statt „Pestbeule!“) zu seinem größten Erfolg, dem von ihm selbst eher gering geschätzten „Warten auf Godot“ – das passt. Im Ernst: Das braucht kein Mensch. Aber es zu besitzen, ist schön. Und sei’s, weil Verse wie diese aus „Rockaby“ so rocken: „to the rocker / rock her off / stop her eyes / fuck life / stop her eyes / rock her off / rock her off“.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.