Tiere und Türken – das neue ARD-Vorabendprogramm

Auch die ARD muss Werbegelder verdienen. Am meisten lässt sich mit dem Vorabendprogramm verdienen. Zuständig für die Programmentwicklung  und den Verkauf der Werbezeiten ist die ARD-Tochter ARD Werbung Sales & Services. Der Vermarkter hat jetzt die neuen Vorabend-Sendeformate für die kommenden Monate vorgestellt. Der Vorabend, also das Programm zwischen 18 und 20 Uhr, ist ein schwieriges Terrain. Die private Konkurrenz erzielt hohe Quoten und gute Umsätze mit Soaps, Telenovelas und Wissensmagazinen.

Die ARD versucht es vom Sommer an mit einer gnadenlos bunten Mischung aus heimatverbundenen, frauenaffinen und humorigen Stoffen. Ob die Rechnung für die Vermarkter aufgeht, bleibt abzuwarten. Auf die tapferen Zuschauer kommen auf jeden Fall harte Zeiten zu.


Geht nix mehr, gehen vielleicht noch Kinder, ganz sicher aber Tiere. Etwas in der Art müssen sich die Programmplaner bei der ARD bei ihrem ersten Vorabend-Streich gedacht haben: „Die Tierretter von Aiderbichl“ ist eine Dokusoap über einen Gnadenhof für Tiere. Das Gehöft steht malerisch im Salzburger Land, wo sich ein junges Team um 659 Pferde, Esel, Rinder, Ziegen, Schafe und Gänse sorgt und den Viechern einen würdevollen Lebensabend ermöglicht (ab 11. Juli, dienstags bis freitags, 17 Folgen). Gnade – vielleicht löst der hungrige Braunbär „JJ“ das Problem. 


„Das Geheimnis meines Vaters“ ist ein Mash-up aktueller TV-Trends, nämlich eine Mystery-Novela. Was ist eine Mystery-Novela? Folgendes: Junge Frau kehrt aus Berlin in ihre kleine Heimatstadt an der Ostsee zurück und fahndet nach ihrem verschwundenen Vater – und kommt einem dunklen Familiengeheimnis (Mystery) auf die Spur und begegnet ihrer großen Liebe (Telenovela)(ab 15.8., dienstags bis freitags, 50 Folgen).


Topautor David Safier („Berlin, Berlin“), bisher ein Garant für jugendliche Qualitätscomedy, hat sich „Zwei Engel für Amor“ ausgedacht. Kellnerin Kim und Gelegenheitsschauspieler Max stehen im Kontakt zu einem Engel, der sich als Gott der Liebe ausgibt. Der wiederum spannt die beiden Naivlinge als Liebes-Agenten ein, die ihre Mitmenschen zum großen Glück führen sollen. Die ARD verspricht Humor, Komik und Romantik. Wärs nicht von Safier, würde ich sofort sagen: zur Hölle damit! (ab 14.11., dienstags, 16 Folgen).
 
„Das Beste aus meinem Leben“ ist die Verfilmung der bekannten Kolumne des Journalisten und Buchautors Axel Hacke. Darin geht es um einen Mann wie Hacke: Verheirateter Journalist und Vater eines Sohnes jongliert zwischen Eheleben, Abgabetermin und Erziehungsproblemen. Der ganz normale Wahnsinn des neudeutschen Familienlebens, wie es bei solcherlei Geschichten immer heißt. Das riecht nach Klischee und Kaspertheater – erst recht, wenn Elena Uhlig die italienisch-temperamentvolle Ehefrau des Helden spielt (ab 1. Dezember, 8 Folgen).


Noch ein, wie es Neudeutsch für Anfänger heißt, Living-History-Projekt: In der „Bräuteschule“ lernen zehn junge Frauen, was man in den 50er-Jahren als angehende Ehefrau und Mutter alles beherrschen, berücksichtigen und für sich behalten musste (kommt im Frühjahr 2007). Vielleicht mag ja das Familienministerium in diesem Umfeld Spots schalten.


Zum Ende der Saison gehts im Vorabendprogramm des Ersten mit alten Bekannten weiter: Es naht die zweite Staffel der im Frühjahr mit ziemlichem Erfolg gestarteten Comedy „Türkisch für Anfänger„. Fröhlicher Multikulti-Klamauk nach dem Motto „Ganz Berlin ist eine Familie“ – oder was öffentlich-rechtliche Programmstrategen so unter moderner Patchworkfamilie verstehen. Also noch mehr von Lena, Cem, Yagmur und Nils und ihren deutsch-türkischen Annäherungsversuchen – in 24 Folgen ab dem Frühjahr 2007.

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