SYRIANA – konzentriertes Politgeflecht für Darsteller und Zuschauer

Es dauert schon eine Weile, bis man das Gespann aus politischem Hickhack, persönlicher Gier und wirtschaftlichen Abhängigkeiten in SYRIANA entwirrt hat – vielleicht sogar etwas zu lange. Und man sollte sich etwas mehr als nur annähernd für das weltweite Ölgeschäft interessieren, sollte genau Acht geben, wer hier wem welche Information zukommen läßt – denn SYRIANA ist vor allem ein intellektueller Spaß. Wenn dann am Ende die Fäden zusammenlaufen, ist man entweder von der cleveren Drechbuchkonstruktion begeistert, oder man hat bei all den plötzlichen und oft unmotiviert erscheinenden Aktionen den Durchblick (und im schlimmsten Fall das Interesse) verloren. Wer sich dabei an TRAFFIC, Steven Soderberghs Drama/Thriller aus dem Jahr 2000 erinnert, liegt nicht falsch : Auch hier hatte Drehbuchautor Stephen Gaghan ein ähnlich komplexes Netz aus Abhängigkeiten entworfen, die über weite Strecken nicht zum Punkt kommen.

Doch in dieser Schwebe und Undurchschaubarkeit liegt auch der Reiz von SYRIANA, denn mangelnde Transparenz dessen, was der augenblickliche Partner tut, und die Angst vor plötzlichen Eruptionen prägt auch das Leben der einzelnen Charaktere. Die eigentliche Spannung liegt darin, nie zu wissen, ob die versteckten Blicke und Gesten nun Angst oder Cleverness, Geschicklichkeit oder Dummheit, Verzweiflung oder Selbstsicherheit bedeuten – eine Gefühl des Miteinanders, das man dieser Welt aus Ölbossen und -Scheichs, CIA und Terrorismus, Königen und karrieregeilen Emporkömmlingen gerne zuordnet und als realistisch empfindet. Dass auch SYRIANA selbst clevere Fiktion ist, möchte man bei diesem intellektuellen Unterhaltungswert schon fast nicht mehr wahrhaben.

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