Superman Returns ? Eine Studie in Einsamkeit

Als Superman Returns vor einigen Wochen in Amerika startete wurde er zwiespältig aufgenommen und auch das Einspiel blieb hinter den Erwartungen zurück. Wirklich überraschen kann das nicht, denn Bryan Singers Interpretation des Superhelden entspricht nicht den üblichen, gigantomanischen Sommerfilmen. Statt den Helden mit zwei, drei exotischen Bösewichtern zu konfrontieren und viel Zeit für bombastische Actionsequenzen zu verwenden, ist die Gewichtung hier eine andere. Singer zeigt Superman als einsame Figur, die nirgendwo richtig hingehört, der als letzter Überlebender seines Heimatplaneten Kryptons seinen Platz in der menschlichen Gesellschaft sucht, ohne dass er je wirklich hinzugehören könnte.

Zu Beginn kehrt Superman nach fünf Jahren Abwesenheit auf die Erde zurück, nimmt als Clark Kent sein altes Leben als Reporter beim Daily Planet wieder auf, doch die Dinge haben sich geändert. Seine große Liebe Lois Lane hat mit einem Artikel den Pulitzer Preis gewonnen, der ausgerechnet „Warum die Welt Superman nicht braucht“ heißt. Doch natürlich braucht die Welt Superman, sie braucht einen Helden, der das reine Gute verkörpert, eine moralische Leitfigur sozusagen. Bemerkenswerterweise vermeidet der Film aber jeden Fahnenschwenkenden Patriotismus, der angesichts dieses uramerikanischen Helden fraglos möglich gewesen wäre. Singers Superman kämpft nicht für Amerika allein, sondern für Wohl und Wehe der Welt. In einer wunderbaren, ikonischen Einstellung wird dieses zentrale Thema des Films verdeutlicht: Da droht das Symbol des Daily Planets, eine gigantische Erdkugel, auf die Straße zu fallen und dutzende Passanten zu begraben, doch Superman schultert die Erde wie einst Atlas. Er schwankt unter der Last, aber er hält ihr stand.

Doch genau diese Fähigkeiten sind zugleich Fluch und Segen, sie machen Superman besonders, gleichzeitig aber auch zum Außenseiter. In dieser Tragik liegt die Größe des Films, sie macht ihn speziell und herausragend. Das einzige was Superman Returns davon abhält ein nahezu perfekter Hollywoodfilm zu sein ist eine nicht wirklich überzeugende Dramaturgie, die allzu unmotiviert zwischen zwei Ebenen hin und her springt. Supermans Versuche seine Beziehung mit Lois Lane wieder zu beleben und Lex Luthors Plan, halb Amerika zu überflutet laufen über weite Strecken des Films nebeneinander her, ohne viel miteinander zu tun zu haben. Erst sehr spät beginnt eine unmittelbare Bedrohung der Welt, die in ein visuell überwältigendes Finale mündet. Darüber das noch nie ein digital gedrehter Hollywood-Film so gut aussah wird noch zu reden sein, hier bleibt zunächst festzuhalten, dass es Singer gelungen ist, einen Superhelden-Film zu drehen, der sich wohltuend von all den vergleichbaren Filmen der letzten Jahre abhebt (nicht zuletzt auch Singers eigenen X-Men-Filmen), die mehr Wert auf Schauwerte als auf Emotionen gelegt haben.

Superman Returns Kinostart: 17. August                                                                                                                                       USA 2006, 154 Minuten                                                                                                                                  Regie: Bryan Singer                                                                                                                                    Drehbuch: Michael Dougherty, Dan Harris                                                                                                       Kamera: Newton Thomas Sigel                                                                                                                    Darsteller: Brandon Routh, Kate Bosworth, Kevin Spacey, Frank Langella, Parker Posey, Eva Marie Saint                    Verlieh: Warner Bros.

2 Meinungen

  1. Superman ein Weichei, Lois Lane eine Zicke … Mann, dieser Film nervt. Und was ist das für ein neuer Hollywood-Trend, das ausgerechnet die inhaltsärmsten Filme mit Überlänge erscheinen müssen? Vielleicht taugt der neue Superman-Film ja für Leute, die unter Zeitmangel leiden: er dauert drei Stunden, fühlt sich aber an wie sechs – also gefühlte drei Stunden Lebenszeitgewinn!

  2. Für einen Bryan Singer – Film war SUPERMAN RETURNS nicht sonderlich berauschend, dennoch hat er mir gut gefallen. Vor allem die FX und Kevin Spacey! Ein bischen zu lang war er allerdings wirklich…

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