Stone Cold

Niemand, niemand, niemand würde sich „Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell“ ansehen, wäre da nicht Sharon Stone. Und es gäbe auch keinen Grund, das zu tun. Sie ist alles, was der Film zu bieten hat, sein Aushängeschild und sein Zentrum.

„Betrachte das hier als Scheidung!“

Ein Sekundenauftritt in Woody Allens „Stardust Memories“ war 1980 der Beginn ihrer Karriere. Es kamen „Police Academy 4“, „Action Jackson“ und anderer Kram, in dem Sharon Stone eigentlich nur blond sein durfte. 1990 drehte Paul Verhoeven den teuren SF-Reißer „Total Recall“ und besetzte Stone als Arnold Schwarzeneggers Ehefrau. Ihre markanteste Szene dort war ihr Tod: Arnie kriegt spitz, dass sie ihn gelinkt und ans Messer geliefert hat. Er greift zur Knarre, grummelt „Betrachte das hier als Scheidung“ – und schießt.

Hollywoods Femme fatale

Das hätte sich eine Catherine Tramell nun ganz bestimmt nicht gefallen lassen! Die Rolle der männerfressenden, männermordenden Schrifstellerin aus Verhoevens nächstem Film „Basic Instinct“ (1992) machte Sharon Stone zur Leinwand-Ikone. Und zur Sex-Göttin, trotz ihrer nach Hollywood-Maßstäben gar nicht mehr so jungen 33 Jahre. Keineswegs war sie dabei die erste Wahl: Zuvor hatten Stars wie Michelle Pfeiffer, Julia Roberts oder Kim Basinger den krassen Part, der viele Nacktszenen forderte, abgelehnt.
Ihre Filmfigur wie der Film selbst waren pure Oberfläche; Catherine machte kein Geheimnis aus sich, jede Faser ihres Körpers, jeder Blick schrie es heraus: „Ja, Jungs, ich verführe euch, kille euch und mache daraus noch einen Bestseller, aber ihr kriegt mich trotzdem nicht!“ Dass Catherine damit durchkommt, dass sie dem zynischen, gefährlichen Cop Nick (Michael Douglas) nicht nur Paroli bietet, sondern ihn fertigmacht, gibt „Basic Instinct“ bis heute eine gewisse Faszination, aller sicherlich berechtigten Verrisse zum Trotz.

Nur noch ein Hampelmann

Und der neue „Basic Instinct“? Ach Gott. Die menschliche Venusfliegenfalle ist von San Francisco nach London gezogen, und wieder sterben in ihrem Umfeld die Männer: erst ein Fußballstar, ein Journalist, dann ein Dealer… Catherine wird verdächtigt und einkassiert, Psychiater Michael (David Morrissey) soll ein Gutachten über sie erstellen und lässt sich natürlich in ihr monströses Spiel hineinziehen. Erschütternd, was für ein Blassschnabel, ein Hampelmann uns hier serviert wird. Michael/Morrissey ist kein Gegner für Catherine/Stone. Die sieht 14 Jahre nach dem Original umwerfend aus, ja, das tut sie wirklich, auch wenn man sich ärgern muss über die offenkundigen digitalen Fältchenkorrekturen bei Großaufnahmen ihres Gesichts.
Aber diese blendende Erscheinung bewegt sich in einem Vakuum. Die Story ein einigermaßen vermurkster Aufguss des Erstlings, die Akteure blass. Da können auch prägnante Nebendarsteller wie Charlotte Rampling als Psychiaterin oder David Thewlis als ebenso lakonischer wie undurchsichter Bulle kaum etwas ausrichten.
Als Stone nach „Basic Instinct“ damals wegwollte vom Image des Sexmonsters, ging es mit ihrer Karriere bergab, trotz Oscar-Nominierung für Scorseses „Casino“, trotz schöner Rollen in „The Mighty“ oder „Die Muse“. Alle Welt kannte nur Catherine Tramell. Und auch wenn sie jetzt ein Karrierehoch vor sich haben sollte – wir hoffen es inständig – , wird Sharon Stone immer Catherine bleiben. (Im Kino ab Donnerstag, 30. März)

Eine Meinung

  1. Der gute alte Stone…hat er es geschafft, auf zustehen und wieder etwas für die Medienwelt zu machen… 😛

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