Star-Schmutzfink auf der Oscar-Bühne: Jon Stewart

Steven Spielberg meinte unlängst, die neuen konservativen Strömungen in den
USA seien gut fürs Kino gewesen, denn sie hätten polarisiert. Mutiges
Hollyood-Amerika contra Bush-Amerika? Nun ja, dass in der Traumfabrik und ihren
Erzeugnissen ein relativ liberaler Wind weht, ist eine Binsenweisheit.
Auffallend aber doch, dass alle fünf „großen“ Oscar-Filme sich große Themen aufs
Banner schreiben und in ihrer Ausrichtung Gegenstücke bilden zum rechtslastigen
Geist der Zeit. Der Favorit „Brokeback Mountain“ fasst melodramatisch und in
ruhiger Eindringlichkeit das Thema Homosexualität an, das Ensembledrama „Crash“
führt Engstirnigkeit und Rassismus vor, Spielbergs „Munich“ blickt auf den
Terrorismus. „Good Night, and Good Luck“ setzt journalistischem Ethos im
Angesicht der McCarthy-Hetze ein Denkmal, und auch die schillernde schwule
Hauptfigur in „Capote“ gespielt von Philip Seymour Hoffman hat sich mit journalistischer Verantwortung
auseinanderzusetzen.

Zum Oscar-Geist passt auch der diesjährige Host der Verleihungszeremonie vom
5. März: Jon Stewart ist erklärter Bush-Kritiker. Seit 1999 moderiert der New
Yorker die Sendung „The Daily Show“, interviewte Stars wie Cruise, Willis &
Hanks, sprach mit Bill Clinton und John Kerry – und schifft der republikanischen
Regierung mit sardonischem Witz kräftig ans Bein. Besonders bemerkenswert ist
dabei, dass immer mehr jüngere Zuschauer Stewarts Show als politische
Nachrichtensendung wahrnehmen und den Renommierten wie ABC, NBC oder CBS den
Rücken kehren. Keineswegs aus Dummheit, sondern offenbar aus einer
Protesthaltung heraus. „The Fake News you can trust“!

Hierzulande kennt man Stewart eher aus Nebenrollen im Kino: Er spielte den
Biolehrer Furlong in Robert Rodriguez‘ Highschool-Alien-Horrorkomödie „The
Faculty“ und Gillian Andersons schüchternen Verehrer Trent im Großstadtdrama
„Leben und Lieben in L.A.“ Ein Kinogesicht hat der Komiker auf alle Fälle.
Graumelierter Senatoren-Typ mit Schalk in den Augenwinkeln, ein bisschen
Robert-Taylor-Noblesse, ein bisschen Spitzbubenhaftigkeit a la Richard Fish
(Schon vergessen? Der Kanzleichef aus „Ally McBeal“).

Auf die Oscar-Zeremonie freut sich der 43-Jährige: “ Ich fühle mich wirklich
geehrt, die Show zu moderieren. Obwohl ich als passionierter Oscar-Zuschauer ein
wenig über die Wahl entäuscht bin. Das ist doch nur ein weiterer trauriger
Versuch, Billy Crystal auszubooten!“

Freuen dürfen wir uns wohl auf sarkastisch-saftige Sottisen gegen Politik und
Showbusiness. In puncto eloquenter Rotzigkeit war Chris Rock im letzten Jahr
zwar verdammt gut. Aber Stewart dürfte da sicherlich noch ein, zwei Schippen
drauflegen. Iran-Atomprogramm? Karikaturenstreit? Bushs Indien-Besuch? Ist
bestimmt alles drin. Feuern kann man ihn erst hinterher. Und dann kann er sich
in der „Daily Show“ die Wunden lecken. Dort hat Jon Stewart bis 2008 verlängert.

2 Meinungen

  1. Ich mag diesen typen sowas von…der hats einfach übelst drauf :Daber hätte mir mehr vom film erwartet…

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