Spanner auf dem Sofa

Gestern Abend, RTL 2, 20.15 Uhr, Haus im
Glück. Esther, blond, nett, vierfache
Mutter, will ihren Mann Aaron
überraschen und lässt während dessen Abwesenheit (der englische Soldat
ist im Irak stationiert und hat seine Familie sechs Monate lang nicht
gesehen) das Fernsehteam ins Haus. Aber nur, weil die 18 Handwerker mitbringen, die aus der
Rumpelbude ein modernes und repräsentatives Zuhause zaubern sollen.
Es geht zur Sache: Eingerissene Wände, Bauschutt überall, richtig coole
Rohbauatmosphäre. Hier tut sich definitiv einiges.

Die hübsch-forsche Innenarchitektin hat alles im Griff, die Familie
weniger. Im RTL2-Van wird der Soldat vor der Kaserne eingesammelt, die
Kamera hält drauf, während der Papa seine Kleinkinder knuddelt und
Tränen der Rührung reichlich fließen. Zwei ganze Wochen bleiben ihm bis
er wieder sein Leben riskieren geht. Und dann das. Der Brite trägt es
(meist) mit Fassung, macht gute Miene, sagt artig und aufrichtig danke,
nachdem das beachtliche Wunder vollbracht ist. Vergessen
offensichtlich, dass er eben gerade im Auto eine Angstattacke hatte,
weil die gesamte Nachbarschaft das Ereignis mit ihm zelebrieren wollte.

Eine Situation, die den Mann, der zu emotionaler Zurückhaltung erzogen
wurde, schockiert. Er wusste, dass alle sein Innerstes sehen wollten.
Wenn das kein Grund für Panik ist!
Während ich einerseits wünschte, irgendwer würde in mein Haus rollen
und endlich all die unfertigen Dinge erledigen, gruselt mich das
Gesehene doch ordentlich. Und das nicht nur, weil das neue Zuhause zwar
fernsehtauglich mit viel Farbe, Effekten und Deko, aber wenig
Qualitätsanspruch und Individualismus beackert wurde.
ICH WILL ZUSEHEN heißt es schmuddelig zweideutig im RTL2-Trailer und
nun schäme ich mich, denn ICH HABE ZUGESEHEN. 

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