Später Spagat – posthum erschienene Gedichte von Robert Gernhardt

“ ‚Später Spagat‘: Ein virtuoser Sprung vom Standbein aufs Spielbein – von Künstelertum, Krankheit und Schmerz zum unwiderstehlichen Spiel mit Silben, Reimen und zündenden Ideen. Gernhardts Gedichte aus den letzen drei Jahren zeugen in jeder Gemüts- und Stillage von einer haarscharfen Beobachtungsgabe und von der Kunst, diesen Beobachtungen – nuanciert, anspielungsreich – eine Stimme zu geben“ (amazon).
 In Versen führt Gernhardt, der jahrelang gegen sein Krebsleiden ankämpfte, seine wichtigsten Lebensthemen noch einmal vor. Aufgeteilt hat er das Buch in zwei Teile, einer ist dem Standbein, also dem was ist, dem Realen, dem haltgebenden im Leben gewidmet, damit auch der unveränderlichen Diagnose „Krebs“. In den Toscana-Gedichten führt Gernhardt Verfall und Vergänglichkeit, der Welt, aber auch des eigenen Körpers vor : „Tod wird durch nichts erweicht: Siegt“, schreibt er, und: „Ich glaube nicht an einen Gott, ich glaube an den Zweifel. Du nicht? Weh Dir! Den Zweifler holt unzweifelhaft der Teufel.“
 Die „Landschaft meiner Niederlagen“ behandeln die Unmöglichkeit, die Schönheit des Äußeren festzuhalten. Hier findet man hier den immer wieder an sich zweifelnden Künstler portraitiert, der seinen Antrieb auch immer wieder eben aus diesen Zweifeln bezog. 
Der zweite Teil ist dem eher artistisch-komischen „Spielbein“ gewidmet; hier finden Leser den Robert Gernhardt, der sie immer wieder mit hintersinnigem Humor zum lachen brachte. Zugleich sei darauf hingewiesen, dass kaum ein zweiter deutscher Dichter  Humor so ernst  nahm wie dieser Zeitgenosse. Wenn es um Komik ging, hörte bei ihm der Spaß auf.

„Viele Gedichte des ersten Teils handeln von Krankheit, körperlichem Verfall und Tod. Aber wie Gernhardt diese Schreckens- Themen in Lyrik transponiert, ist einzigartig. Da kommt sein „Krebsfahrerlied“ im unschuldigsten Volksliedton daher, als würde der Dichter ins Blaue fahren und nicht zur Chemotherapie ins Krankenhaus von Valdarno. Er hadert mit seinem Schicksal und artikuliert seine Verzweiflung in der Diktion der traurigen Kirchenlieder von Paul Gerhardt (1607-1676): „O Robert hoch in Schulden/ vor Gott und vor der Welt/“. Diese Krankheits-Gedichte, in denen manchmal ganz kurz Komik wie ein Irrlicht aufblitzt, können den Leser zu Tränen rühren, aber in ihrer artistischen Versiertheit und Eleganz sind sie zugleich ein großer Triumph.
Von Fall zu Fall
Herrgott! ich fiel aus deiner Hand
grad in des Teufels Krallen.
Doch hört! Der kleine Unterschied
ist mir nicht aufgefallen.                                  aus: Standbein

„Spielbein“, das ist dann der komische, der absurde, der radebrechende, der manchmal kalauernde und genial schüttelreimende Gernhardt. Alle Mittel und Register stehen ihm zu Gebote, selbst auf „Tsunami“ fällt ihm noch ein Reimwort ein („Nachnami“). Unglaublich, wie er in „Malade Ballade“ einer mausetoten Lyrikform neues Leben einhaucht und dann weit über den komischen Effekt hinaus eine anrührende Geschichte erzählt – von der verrückten Hoffnung eines Kranken auf Heilung. Komik und bitterer Ernst sind in diesem Gedichtband mitunter untrennbar verwoben.  (…) Der Dichter hat mit „Später Spagat“ sein Feld gut bestellt, die Ernte für den Leser ist überreich. Diese Gedichte werden bleiben.“  (Johannes von der Gathen, Stuttgarter Zeitung).
„Später Spagat“ von Robert Gernhardt, S. Fischer, 2006. 14,90Euro
 
 

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