Sex and Crime in Italy!

Dass sich der Regent von
Rom, Silvio Berlusconi, gerne mit historischen Persönlichkeiten (Jesus,
Napoleon) vergleicht wusste man ja schon. Dass er sich letztes Jahr sein
Äußeres von einem Chirurgen richten ließ, war auch bekannt. Und im diesjährigen
Wahlkampf sorgte insbesondere sein Keuschheitsgelübde für Amusement und
Heiterkeit.

Doch, o Graus, auf einmal
wird’s doch noch einmal ernst für den Premier. Die Mailänder Staatsanwaltschaft
will in den kommenden Tagen den Prozess gegen ihn eröffnen. Diesmal geht es um gekaufte Zeugenaussagen.Berlusconi soll einem
britischen Anwalt, 500.000 Euro für eine ihm genehme Aussage vor Gericht
gezahlt haben. Dummerweise verplauderte sich David Mills, so der Name des
Anwalts, unlängst in Großbritannien und trat so die Lawine los. Tessa Jowell,
britische Kulturministerin, trennte sich wegen der Affäre bereits von ihrem
Mann (David Mills).

Nun also könnte auch
Berlusconi wegen ihm in Schwierigkeiten geraten. Der Zeitpunkt, rund einen
Monat vor den Wahlen in Italien, ist denkbar ungünstig. Zusätzlich dürften nun
auch wieder die anderen acht Verfahren, derer Berlusconi sich in der
Vergangenheit erwähren musste, die Berichterstattung bereichern. Den meisten
dieser Anklagen entkam er nur, weil er und die ihn stützende
Parlamentsmehrheit, kurzerhand Gesetze verabschiedeten welche die
inkriminierten Straftatbestände entweder aushebelten, für nichtig erklärten
oder anderweitig aus der Welt schafften. Jetzt wird es eng, denn das Parlament
tagt bis zur Wahl nicht mehr und ob der Signore die Wahlen gewinnt, ist auch
noch offen.

Der Humor regiert jedoch
weiter im Land von Zitronen, Sonnenschein und glücklichen Fußballfans. Neueste
Stilblüte: Alessandra Mussolini, Enkelin des Duce und neuerdings fester
Bestandteil in Berlusconis Parteienbündnis, sagte es sei besser Faschist zu sein, als eine Schwuchtel.
Auf den Konter der Opposition
freue ich mich jetzt schon, schließlich ist Berlusconi kein Waisenknabe
(s.o.). Lauten könnte er in etwa so: Lieber einen schwulen
Premier, als einen keuschen Kriminellen als Chef.

Es bleibt also spannend, und
tendenziell auch humorvoll, im italienischen Wahlkampf und erfolgreicher im
Fußball sind sie ja sowieso. Bis zur WM.

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