Schöne Zeiten, alte Zeiten: die Sat.1-Telenovela „Schmetterlinge im Bauch“

Ab heute gibt es noch eine Telenovela im deutschen Fernsehen: Sat.1 startet "Schmetterlinge im Bauch" (montags bis freitags, 18.45 Uhr). Das Schlimme daran: gar so schlimm ist der bebilderte Groschenroman für Frauen nicht. Im Gegensatz zu anderen Telenovelas aus heimischer Produktion wie "Verliebt in Berlin" oder "Lotta in Love" gibt sich die neue Sat.1-Produktion gar nicht erst die Mühe, modern zu wirken. Die Geschichte um das junge Ding aus der Provinz, das in die große Glitzer-Stadt kommt, spielt in der Gegenwart, aber eigentlich geht es um längst Vergangenes: Kulissen, Klamotten, Konflikte und Hauptdarsteller versprühen den unbedarft-süßlichen Charme der frühen 60er-Jahre. Dank eines für das Genre relativ hohen Produktionsstandards ist das Mädchen-Melodram nicht nur schön bunt, sondern sogar hübsch anzusehen.

"Schmetterlinge im Bauch" ist pures Retro-TV. Folgerichtig ist der zentrale Schauplatz der Serie Berlins nostalgischer Flughafen Tempelhof. Auf dem in der Realität längst abgewickelten Airport startet Nelly (schön und kulleräugig: Alissa Jung) nach einer geplatzten Hochzeit in der westfälischen Provinz zu einem neuen Leben durch. Als hätte ein Dienstleistungsjob bei einem Luftfahrtunternehmen heutzutage noch Glamor, darf Nelly, in kesser blauer Uniform inklusive Käppi, als Servicekraft einer kleinen Airline Luxus-Passagiere betreuen. Auf eine Karriere hat es der gute Geist der Business Lounge nicht abgesehen – Tempelhof soll für Nelly nur Zwischenstopp auf dem Weg zum Ziel ihrer Berlinreise sein.

Denn nicht vom Fliegen träumt Nelly, sondern ganz unzeitgemäß vom Heiraten und Kinderkriegen. Dazu braucht das junge Ding einen Mr. Right: keinen Luftikus aus der Luftfahrtbranche, sondern einen bodenständigen Kerl mit großem Herzen und Familiensinn. Der ist bereits nach wenigen Serienminuten gefunden: Nils Heyden (Ex-"GZSZ"-Jüngling Raphael Vogt), der grundgute Tischler von nebenan. Es vergehen genregemäß noch viele Serienstunden, bis die beiden zueinander finden und am Ende die ersehnte Hochzeit gefeiert wird. Bis dahin dürfen sich die Zuschauerinnen mit schneidigen Flugkapitänen, naiven Stewardessen, bunten Kostümen und schmachtenden Blicken vom schnöden Alltag ablenken. Ein prima Schmerzmittel für gestresste weibliche Angestellte unserer Tage.

2 Meinungen

  1. Als schaut man als Pilot mal in die Sendung rein, weil es sich ja auch um eine Fluglinie wie Starline handelt, und möchte gleich wieder ausschalten. Was da im Bereich von Flugplanung, Flugvorbereitung zu hören ist, entbehrt jeder Grundlage. Die Krönung ist dann aber, wenn im Landeanflug die Kofferschubse (interne Ausdruck für Chef-Stewardess) auf dem Co-Piloten Sitz sitzt (in 99% aller Fälle habe die kleine Jets gar keine Stewardess an Bord), nein da kommt auch noch eine Saftschubse (2te Stewardess) ins Cockpit und schüttet dem Piloten Kaffee übers Hemd. Der Pilot verliert dann fast die Kontrolle über den Anflug und am Boden rennen die Mitarbeiter von „Starline“ aufs Flugfeld….So viel Schwachsinn und Zuschauerverarschung ist nicht mehr zu überbieten!Wenn Ihr Beitrag behauptet, dass der Flugplatz Tempelhof in der Realität längs abgewickelt sei, der irrt gewaltig. Noch ist Tempelhof in Betrieb und wenn unsere Politiker nicht nur daran denken würden, sich selbst ein Denkmal setzen zu wollen sondern wirschaftlichen Sachverstand, dann bleibt der Flughaven Tempelhof weiterhin in Betrieb! Siehe auch hier bei der ICAT e.V. (Interessengemeinschaft City Airport Tempelhof e.V. – der weltweit größten Bürgerinitiative FÜR den Erhalt eines Flughafens) http://www.flughafen-berlin-tempelhof.de————-Windgeschwindigkeiten werden in knots (1 Knoten = 1,852 km/h) angegeben und nicht in Windstärken und eine Regenwahrscheinlichkeit von 10% ist auch nicht gebräuchlich, sondern der Fachausdruck für einen wolkenfreien Himmel bzw. keine Wolken unter 5.000 ft. lautet z.B. CAVOK (Clouds an Visibility OK).Ein Jets wird üblicherweise nach Instrumentenflugregeln geflogen (IFR=Instrument Flight Rules). Selbst wenn ein Jet zugelassen ist für den Flugbetrieb mit nur einen Piloten (z.B. Cessan Citation 525), ist in der gewerblichen Beförderung, insbesondere bei IFR, der zweite Pilot Vorschrift! Da ist gar kein Platz für eine Stewardüse! Außerdem werden Jets üblicherweise mit einem Autopiloten geflogen und da gerät auch kein Flugzeug im Anflug aus der Kontrolle – da lachen ja die Hühner.Alle Stewardessen und Purser wollen mir bitte die herabsetzende Ausdrucksweise verzeihen – sie bezieht sich hier an dieser Stelle NUR auf die darstellenden Charaktere der „SiB“ Serie.Die Produzenten sollten sich mal blitzartig nach einem fachkundigen Berater umsehen (bei dem bisher gezeigten Niveau reicht schon ein Privatpilot als „Fachmann“) und das Wetter sollte für die Flugplanung bei DWD (Deutscher Wetterdienst) eingeholt werden, dann klappt das auch mit den Fachausdrücken.

  2. Danke für die fachlichen Hinweise. Thema Tempelhof – mir war klar, das da noch geflogen wird, glaubte aber, das Ende 2006 Schluss ist, die Serie also den Flughafen überlebt. Hab aber nichts dagegen, wenns anders kommt. Die Stewardüse muss ich mir als Gelegenheitsflieger merken…

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