Schmidt und die Schwangeren

Ich bin bekennender Schmidt-Fan. Seit Jahren. Er hat grandiose Sendungen gemacht, Größe und Souveränität gezeigt, wo andere jämmerlich scheiterten. Es gab eine Zeit, da musste man einfach Schmidt sehen, um auf der Höhe zu sein. Es gab aber auch eine Zeit, da wusste der Meister, wann es genug war mit schalen Witzen oder langweiligen Gästen. Harald Schmidt hat sich dann einfach neu erfunden oder eine Pause eingelegt. Und es war wieder gut.

Dieser Instinkt hat die geniale Rampensau verlassen. Seine Shows sind öde, das Ritual wirkt nicht mehr. Der Papst der deutschen TV-Unterhaltung verstolpert selbstgefällig seine Stand-ups, zeigt kaum noch seine gefürchtete Schlagfertigkeit, die Messdiener Natalie und Andrack sind zur Studio-Deko degradiert, die Sende-Dramaturgie wird ewig gleich abgespult (der blöde Witz mit der Werbepause, mein Herren!).

Wenns mal spannend wird, dann höchstens durch einen vorwitzigen Gast in der finalen Talkrunde – eigentlich die Disziplin, die Schmidt nie so richtig konnte. Das sagt alles. Er gibt sich einfach keine Mühe mehr, befand Stefan Niggemeier schon vor Monaten. Und es stimmt. Leider.

Ein Zeichen des Harald-Schmidt-Verfalls: Er wendet sich vermehrt anderen Aufgaben zu, anstatt seinen eigenen Laden auf Vordermann zu bringen. Zur Winterolympiade ging er eine unglückliche Allianz mit Waldemar Hartmann ein – Waldi war witziger als Harry, der meist ahnungslos zusehen musste, wie sein Fachkollege die Gespräche und Pointen an sich riss. Nach der ernüchternden Sport-Erfahrung ließ Schmidt folgerichtig verlauten: Nie wieder Waldi und Harry!

Vor ein paar Wochen dann der Rückzieher: Schmidt will bei der WM wieder mit Waldi antreten. Das grenzt schier an Selbstdemontage. Oder auch seine Nebentätigkeit als Familienförderer: Kommenden Samstag beglückt er zur besten Sportschau-Zeit in einer Spezialshow schwangere Akademikerinnen mit WM-Tickets (29.4., ARD, 18.45 Uhr). Geht da ein Late-Night-Mann schwanger mit einem neuen Vorabend-Format? Das riecht verdächtig nach Abseits.

Ich bin Schmidt-Fan und ich möchte es bleiben. Und dafür sehe ich nur zwei Möglichkeiten: Schmidt krempelt seine Show komplett um oder er hört einfach auf. Dann kriegen wir Harald Schmidt vielleicht häufiger live zu sehen. Das ist immer noch ein Ereignis.

5 Meinungen

  1. Was ist das Thema des Beitrags? H. Schmidt ist nicht mehr, wie ich ihn will. Nun, als Gebührenzahler, das unterstelle ich dem Autor jetzt einfach mal, darf er sich das gerne wünschen, aber ist das in Ordnung? Ist das nich so, als ob sich die Freunde des Musikantenstalds lauthals darüber echauffieren, wenn ein Interpret dort auch mal nicht im KDF-Outfit Garmisch ’42 zu sehen ist. War alles schöner damals …. bekanntermaßen sogar die Zukunft.Herr Schmidt ist ein sich selbst vermarkendes TV-Produkt. Er muss sehen, wo er seine Zuschauer herbekommt, wo er Quoten und damit Geld machen kann. Das ist völlig normal, das macht jeder. Ob das allerdings auch auf den, sagen wir mal: „Temperamentsausbruch“ von Herrn Hartmann zutrifft, als Frau Witt („Vollblutweib“) sich angezogen auf den ebenfalls bekleideten Herrn Hackl (so sieht es zumindest meine Erinnerung), bezweifle ich stark.Ich fand Waldi nicht lustiger als Harry. Sein Beitrag an der Bobbahn war super. Und sein Interview neulich mit Feuerstein Fernsehgeschichte. Vielleicht hat sich auch das Publikum geändert? Vielleicht vermisst es die „echte“ Werbepause, weil die Blase keine 30 Minuten mehr hält?Ich weiß es alles nicht. Ich bin bloß Gebührenzahler.

  2. Wer Schmidt in die Nähe ds Musikantenstadls rückt, hat nix begriffen. Und mit den GEZ-Gebühren hat das auch nichts zu tun. Gar nichts.

  3. Nun, Letzteres ist so richtig wie redundant, denn niemand hat behauptet, es habe kausal etwas miteinander zu tun. Und wer hier was nicht begriffen hat, ist ebenfalls nicht einfach durch Proklamation zu entscheiden, zumal die zur Conclusio notwendige Behauptungauch völlig aus der Luft gegriffen ist. Niemand hat Herrn Schmidt in die Nähe des Musikantenstadls gerückt. Es war nur ein Vergleich der Perzeptionshermeneutik. Aber das hat wahrscheinlich jeder begriffen. Naja, fast …

  4. Oh, ich habe auch studiert, Herr Doktor. Nur leider bringt uns die Fremdwort-Dusche hier nicht richtig weiter, was den Schmidt angeht. Und um den gehts doch, oder?

  5. Nein, um den geht es nicht, sondern es geht um Sie und Ihre Meinung über Herrn Schmidt bzw. Ihr Befinden darüber, inwieweit er noch Ihren Erwartungen entspricht. Das ist alles schön und gut, aber halt Ihre Privatmeinung. Eine Allgemeingültigkeit (Sie wissen schon: Kant und so) kann daraus nicht abgeleitet werden. Mehr sagte ich nie – wenn überhaupt … und daraus entwickelte sich ein – euphemistisch gesprochen – Diskurs, Sie wissen Hegel und so. Wenn sich jetzt noch jemand für die Synthese fände ….. 😉

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