Roland Barthes: Das Rauschen der Sprache

Immer wieder ist die machtpolitische Seite der Sprache Thema. Sich aus den Fängen repressiver Diskurse zu befreien, das erklärte Ziel. Der „Krieg der Sprachen“ bildet für Barthes ausdrücklich nicht die Spaltung der Klassen ab. Wie der zeitlose Aufsatz von 1973 feststellt, verlaufen seine Fronten vor allem entlang der Umrisse machtpolitischer oder massenkultureller Diskurse und damit auch der Alltagssprache, „der Sprache der Konversation, der gängigen Meinung“. Diesen „heimlichen“, weil nicht genau zu bestimmenden, desto mehr aber beherrschenden „enkratischen“ Sprachen, Barthes nennt sie treffend auch „klebrig“, stehen die außerhalb der Macht sich entwickelnden „akratischen“ Sprachen oder Diskurse (der Psychoanalyse, des Strukturalismus) gegenüber. Doch Barthes geht noch weiter. Gibt es den herrschaftsfreien Diskurs? Jeder Satz ist Behauptung, Bedrohung, Waffe. „Beschreibt die Grammatik den Satz nicht auch in Begriffen der Macht, der Hierarchie: Subjekt, Ergänzung, Beugung usw.?“ Die Volte des Autors ist die Entscheidung zum Text: „Nur das Schreiben … kann jede Arroganz des Systems unterlaufen: Das Schreiben ist atopisch; in bezug auf den Krieg der Sprachen, den es nicht beseitigt, sondern verlagert, nimmt es Lese- und Schreibpraktiken vorweg, in denen das Begehren zirkuliert und nicht die Herrschaft.“

2 Meinungen

  1. Finde, der Titel „das Rauschen der Sprache“ klingt toll, aber der Artikel lässt vermuten, dass das Buch eher langweilig ist? Oder irre ich da?

  2. Na ja, Barthes war halt ein bedeutender Schriftsteller, Philosoph und Literaturkritiker des 20. Jahrhunderts – da ist der Inhalt eben nicht immer so leicht verständlich, wie man es gerne hätte. Dafür sind die Titel umso schöner.
    Ansonsten musst Du Dir doch nur mal vor Augen halten, welches Deutsch auf Ämtern gebraucht wird und wie die Leute im Gegensatz dazu auf der Straße sprechen. Eine Bewerbung klingt auch anders als eine Mail an einen guten Freund. Na ja, insofern ist nur das Schreiben ohne Grund, das literarische Schreiben, eines, in dem diese Regeln durchbrochen werden können.
    So weit habe ich das Ganze verstanden. Für nähere Betrachtungen müsste man dann mal den Text lesen.

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