Reif fürs Museum

Was ins Museum kommt, ist meist irgendwie – tot. Jetzt kommt das Fernsehen ins Musum. Endlich, mögen manche TV-Verächter denken, aber so richtig totzukriegen ist das alte Medium auch im Museum nicht. In Berlin eröffnet heute im Filmhaus am Potsdamer Platz das Deutsche Fernsehmuseum seine Pforten. Nach 53 Jahren Programmgeschichte in Deutschland (eigentlich 70 Jahre, aber das Hitler-TV der 30er wird ausgeblendet) sei das Fernsehen „reif fürs Museum“, wie die Ausstellungsmacher meinen.

Ein Blick ins aktuelle Fernsehprogramm gibt den TV-Ausstellern recht – das Fernsehen macht dieser Tage keinen besonders lebendigen Eindruck. Es wimmelt quer durch die Kanäle von programmlichen Altlasten, Wiederholungen, so genannten Klassikern. Ganze Sender haben es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Tag aufs Neue alte Serien, Filme und Shows abzuspulen. 

Genau das will eigentlich auch das Fernsehmuseum. Kern des Museums ist die Prgrammgalerie, die eine Auswahl von 500 Sendungen aus dem deutschen Fernsehprogramm aus West und Ost von 1953 bis heute bietet – von „Bonanza“ bis „Russisch für Anfänger“. Der Haken an der kulturell aufgewerteten Verwaltung unseres audiovisuellen Erbes: Viele TV-Klassiker, an denen liebgewordene Erinnerungen ergrauter TV-Zuschauer hängen und gleichsam der Reifeprozess des Programms erkennbar wird,
werden gar nicht im Deutschen Fernsehmuseum zu sehen sein. Weil die Rechte daran zu teuer sind und die Sender bzw. Lizenzinhaber nicht bereit sind, sie gratis herauszurücken.

Damit sind wir wieder beim heutigen Fernsehprogramm, das über weite Strecken wie von Gestern aussieht. Was im Museum einstweilen nicht zu sehen ist, in der heimischen Glotze flimmert es wie schon vor 30, 40 Jahren: Bei Kabel 1 gibt es heute „Dallas“ und „Kojak“, bei SuperRTL schleicht „Der rosarote Panther“, das ZDF hängt am „Aktenzeichen XY – ungelöst“, beim MDR tobt „Das Sandmännchen“, im Vierten ermittelt „Der Chef“. Wenn schon das aktuelle Programm eine museale Fundgrube ist, wozu brauchts da noch ein Fernsehmuseum?

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