Philips-WM 2006

Dann und wann zeigt das Fernsehen alte Fußballspiele, die uns
die Sternstunden der Sportgeschichte näher bringen uns gelegentlich sogar von
Zeiten berichten, in denen „wir“ noch erfolgreicher waren. Manchmal kriegt man
dann, während man sich noch über die lustigen Vokuhila-Frisuren oder die kurzen
Hosen amüsiert, das Zwischenergebnis in Form von riesigen Digitalziffern vor
die Augen gepfeffert. Im Vergleich zu diesen Anzeige-Relikten, die zu ihrer
Zeit sicherlich das Allerneuste, state-of-the-art und topmodern waren, zeichnet
sich das heutige Design durch eine angenehm unaufdringliche Schlichtheit aus. Einerseits
freut man sich, dass die Entwicklung der Technik diese gut lesbare Darstellung
erlaubt, andererseits hat man das früher sicherlich auch gedacht.  Die grafische Aufbereitung von für das Spielverständnis
wichtigen Elementen wie Spielstand, Ballbesitz, Eckenverhältnis oder
Spielernamen ist heute so modern, dass man fast versucht ist, den Mauszeiger
auf sie zu bewegen und sie anzuklicken, weil man sie irrtümlich für
Schaltflächen für die Internet-Navigation hält.
 
Und plötzlich tauchen sie dann doch wieder auf, die riesigen
Digitalziffern, und zwar in Form der Anzeige der Nachspielzeit. Komischerweise
sind auf dieser Tafel, die fast so groß ist wie das Original am Spielfeldrand
und einen großen Teil des Bildschirms belegt, die Ziffern in roten Punkten auf
dunkelgrauem Untergrund dargestellt, so dass man sie kaum erkennen kann. Aber
vielleicht liegt das auch einfach daran, dass ich kein HDTV habe und mein
Fernseher an den Kontrasten scheitert.
Schuld daran ist der offizielle Fifa-Sponsor Philips, der sich fast alles unter den Nagel gerissen hat, was im weitesten Sinne mit WM und TV zu tun hat, von den Anzeigen im Fernsehbild über die Großbildschirme fürs
Public Viewing bis hin zu den Chips für die Einlasskontrolle am Stadion. Zum
Komplettprogramm gehört übrigens auch das Kompakt-Zapf-System „PerfectDraft“, das sich unter Bierfreunden schon großer Beliebtheit erfreut.
 
Mich persönlich erfreut hat außerdem die süße Idee des ZDF,
neben den Teamnamen ein kleines Symbol für die Trikotfarben einzublenden. Das
obere Viertel des Bildschirms hat Philips den Sendern also zugestanden. Aber
wozu soll das mit der Farbe gut sein? Damit der Gelegenheits-Fußballfan den
Überblick behält bei der Menge von Spielern, sie sich da auf dem Feld tummeln? Als
Orientierungshilfe für Hörgeschädigte? Das wäre ja immerhin gut gemeint, aber
gut gemeint und gut gemacht…

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