Peter Handke nominiert für Heine Preis 2006

Nein,
niemand hat ihn vergessen. Den Bürgerkrieg in Jugoslawien. Und auch nicht den
Mann, der an seiner Spitze stand, Slobodan Milosevic (1941-2006), den Massenmörder
und serbischen Diktator, auf dessen Konto unzählige Opfer gehen.

Und eben diesen Slobodan Milosevic hat der
Schriftsteller Peter Handke in sein Herz geschlossen, auch wenn er am Ende
zusammenfasst: Milosevic sei eine tragische Figur. Das klingt so, als wäre er
ein Stellvertreter für viele, die mindestens ebenso schuldig sind (z. B. Ratko
Mladić) oder als hätte sich die Welt geirrt in der Wahrnehmung seiner
Gräueltaten wie das Massaker an Bosniern in  Srebrenica (unter Führung jenes o. g.
Mitschuldigen).

Keiner kann verstehen, was Peter Handke da anders verstehen will,
oder tiefer oder aus mehreren Perspektiven. Aber sei es wie es sei. Milosevic
ist tot, der Balkankrieg noch lange nicht Legende und Peter Handke hat, auch
wenn er ein herausragender Autor ist, nicht den Heinrich-Heine-Preis zu
bekommen.

Löffler, du! 

4 Meinungen

  1. Auf der Seite der Landeshauptstadt Düsseldorf heißt es zur Begründung: „Eigensinnig wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die veröffentliche Meinung und deren Rituale.“Ja, so gesehen …

  2. Huihuihiu, das artet ja jetzt zu einem Skandälchen aus. Laut dpa will die Stiftung das Geld an Handke nicht auszahlen. Der Preis soll dieses Jahr gar nicht verliehen werden. Jeder weitere Vorschlag wäre nur zweite Wahl … (stimmt). Die Stifter wollen es stattdessen der Deutschen Künstlerhilfe zukommen lassen.Wenn zwei sich streiten …

  3. Das sehe ich anders. Handke gehört zu den großen Stilisten deutscher Sprache, es kommen ihm wenige gleich. Und ich hoff doch, es wird die Dichtung prämiert, nicht die Moral. Aber selbst, was die anbelangt, so gehört zumindest ein achtungerheischender Mut dazu, sich mit seiner eigenen Meinung gegen die der quasi-ganzen Welt zu stellen.

  4. RE: ANHDas scheinen nicht nur Sie so zu sehen, sondern auch noch einige Andere, so etwa Botho Strauß, der heute Handke in der FAZ mit .Schmitt, Heidegger und Pound vergleicht. Wer keine Lust zum Nachlesen hat, hier ein Auszug, der den Tenor wiedergibt: „Wer Schuld und Irrtum nicht als Stigmata (im Grenzfall sogar Stimulantien) der Größe erkennt, sollte sich nicht mit wirklichen Dichtern und Denkern beschäftigen, sondern nur mit den richtigen. Wir leben gottlob noch nicht in einer Lea-Rosh-Kultur, in der sich deutscher Geist nur geduckt bewegen soll oder rückschaudernd erstarren und jede erhobene Stirn, etwa zum Ausschauhalten, als pietätlos und mißliebig angesehen wird.“Ich kann die deutschen Intellektuellen in ihrer Neuorientierung um Kollektivschuld, -gedächtnis, -scham usw. nur bekräftigen. Insofern finde ich es gut, dass die Verleihung des Heinrich-Heine-Preises, sonst eher eine langweilige Veranstaltung, diese Diskussion in diesem Umfang angeregt hat.

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