Peter Handke: Don Juan (erzählt von ihm selbst)

Don Juan platzt in die erstarrte Idylle eines späten Nachkömmlings der Nonnen von Port Royal wie ein Peter Alexander in einen Bauernschwank: Holterdiepolter über die Mauer. Da liegt er im Garten und macht es sich bei seinem unfreiwilligen, von diesem seltsam unzeitgemäßen Eindringling aber sofort charmierten Gastgeber bequem. Man kocht zusammen und guckt ins Himmelblau und den Blütenzauber von Port-Royal-in-den-Feldern. Schön. Doch irgendwas stimmt nicht mit diesem Gast. Nicht nur dass er rückwärts geht, Essbares aus aller Herren Länder herbeizaubern, jeweils mit den beiden Händen entgegengesetzte Bewegungen zugleich ausführen kann und zu seufzen vermag wie keiner. – Man ist ihm auf den Fersen. Verfolgt von einem Motorradpaar und einer Horde wilder Mänaden verschnauft Don Juan eine Woche lang hinter der Mauer und berichtet von seinen Abenteuern. Nicht den alten, bekannten, sondern den unerzählten, bisher nicht interessanten, da noch nicht auf allen Kanälen, auf jeder Illustriertenseite ein Don Juan mit Gewinnerlächeln seine Eroberungen herzeigte: „Don Juan ist ein anderer.“ Im Aussparen liegt seine Stärke. Von Taten und Worten, von Zeit und Orten und von Klischees. Das Begehren der Frauen, das muss dann doch sein, setzt er nicht etwa mit seinem Anblick, sondern allein mit seinem Blick frei. Und bei Blicken bleibt es, wenn dieser Blick auch handeln kann, wie es heißt. Die Frauen sind entzückt und so ist es der Zuhörer. Ja, Handke ist kein Bescheidener: Der Kniff mit der Erzählform „in der dritten Person“, das Da-Ponte-Zitat vornweg („Wer ich bin, du wirst es nicht erfahren“) – in echt? In echt sitzt der Autor in seiner Klause in Chaville und spannt Netze drumherum, gegen die Schwalben. Dies Geschrei! Und kein Seufzer weit und breit. Macht nix, gibt ja Don Juandke.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.