Nichts für Frostbeulen: Mit dem Hundeschlitten durch Eis und Schnee

Unsere abenteuerlustige Gruppe bestand aus 18 Studenten, die
aus allen möglichen Ländern der Welt stammten. Wir verbrachten gerade gemeinsam
ein Auslandssemester im schönen Schweden und wollten natürlich auch etwas vom
Land sehen. Ausgangspunkt unserer dreitägigen Schlittenhundtour war Kiruna, die
nördlichste Stadt Schwedens. Sie ist bequem mit dem Flugzeug zu erreichen und
das bei Landebedingungen, bei denen deutsche Flughäfen schon lange sämtlichen
Verkehr eingestellt hätten.


Los geht’s

Nach einer Nacht in der Jugendherberge von Kiruna wurden wir
von unserem Guide Henrik abgeholt. Als erstes bekamen wir alle schön warme
Thermoanzüge und wasserfeste Stiefel. Dann wurden wir den Hunden vorgestellt.
Die waren schon furchtbar aufgeregt und konnten gar nicht erwarten, dass es
endlich losgeht. Sie bellten und jaulten wie verrückt. Man musste sie gut
festhalten, sonst wären sie schon ohne die Schlitten losgeprescht. Das musste mein
Freund Max erleben, der seinen Hund losließ bevor dieser vor den Schlitten
geschnallt werden konnte. Die anschließende Verfolgungsjagd war für alle außer
Max enorm komisch. Mit einem Hechtsprung, der den armen Hund von den Füßen
riss, konnte das aufgeregte Tier schließlich wieder eingefangen werden.

Was mich jedoch ziemlich verblüffte, war die Größe der
Hunde. Sie waren viel kleiner als ich es mir vorgestellt hatte. Jeweils zwei von
unserer Truppe bekamen einen Schlitten, der eine stand am Ende des Schlittens
und war für das Lenken und Bremsen verantwortlich, der andere saß auf dem
Schlitten mit dem Gepäck. Und dann ging es los. Wer sich bis dahin noch Sorgen
gemacht hatte, ob die Hunde uns wirklich ziehen können, stellte schnell fest,
dass sie wesentlich kräftiger waren als sie aussahen. Zusammen düsten wir durch
die verschneite Weite Schwedens. Ein herrlicher Anblick.


Flussüberquerung mit
Leck

Wir legten eine Strecke von etwa 25 km zurück, wofür wir
fast den ganzen Tag brauchten. Doch um zu unserem Ziel – einer klassischen
Holzhütte mit Sauna sowie einer traditionellen samischen Hütte, die Henrik (unser
schwedischer Guide) selbst gebaut hatte – zu gelangen, musste man mit dem
Schlauchboot über einen Fluss fahren.

Die Hunde blieben mit ausreichend Futter versorgt auf der
anderen Seite im Freien, wo sich jeder Hund seine persönliche Mulde im Schnee
grub, in die er sich legte. Im Gegensatz zu uns, schienen sie es nicht kalt zu
finden. Die Überfahrt mit dem Schlauchboot war ein Abenteuer für sich, denn das
kleine Boot hatte ein Loch und der Fluss eine ziemlich starke Strömung. Unser
Guide musste etwa sechs Mal hin und her fahren, bis wir alle und unser Gepäck
auf der anderen Flussseite waren, mit Pausen um das Boot abzuschöpfen. Dabei
erzählte er uns fröhlich, dass wir, sollte einer von uns ins Wasser fallen,
genau 4 Minuten Zeit hätten, um uns an Land zu retten, andernfalls würden wir
erfrieren. Und da die Strömung viel zu stark sei, würde uns das sowieso nicht
gelingen. Eine sehr beruhigende Vorstellung.

Endlich in der warmen Hütte angekommen gab es zur Stärkung
Rentierfleischsuppe und Knäckebrot. Danach ging es in die Sauna zum
ordentlichen Aufwärmen und anschließend zum Abkühlen wieder raus in den Schnee.
Obwohl wir sehr gehofft hatten auch ein Nordlicht zu sehen, wurde uns dieser
Wunsch leider nicht erfüllt. Der Himmel war zu bewölkt, um etwas zu sehen.


Der Storch im Salat

Den zweiten Tag blieben wir bei der Hütte, wobei wir alles
ausprobierten was man im Schnee so machen kann, mit oder ohne Hunde. Wie die
kleinen Kinder tollten wir herum, bauten Schneemänner und hinterließen
Schneeengel. Einige versuchten sich auf Langlaufskiern durch den Schnee zu
bewegen, was ohne Loipe jedoch schwierig war, so dass man das Gefühl hatte, die
buchstäblichen „Störche im Salat“ beobachten zu können.

Am dritten Tag fuhren wir mit den Schlitten zurück nach
Kiruna, durchgefroren aber glücklich und mit dem festen Vorsatz irgendwann
wieder so eine Tour zu machen.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.