Nicht viel Leben in diesen Worten

Hanna, eine zwanghaft schweigende Fabrikarbeiterin und ehemalige Krankenschwester, wird in den langverdienten Urlaub geschickt. Doch das hieße, zu entspannen und zu sich selbst zu finden, und genau damit will Hanna nicht konfrontiert werden. So nimmt sie die Gelegenheit wahr, den bei einem Unfall auf einer Bohrinsel vorübergehend blinden Joseph zu pflegen. Die beiden kommen sich unfreiwillig näher und lösen eine Öffnung gegenüber der eigenen Vergangenheit aus – soweit, dass Joseph Hanna nach seiner Heilung wieder aufsucht, die er zwar nie gesehen hat, mit der er aber sein Leben verbringen will.

Solche Filme gibt’s. Man denkt : Tim Robbins ist dabei, der wird sich schon für nichts schlechtes hernehmen lassen. Almodovar ist unter den Produzenten, noch ein Pluspunkt. Und der letzte Spielfilm der Regisseurin Isabel Coixet war zwar nicht sooo doll, aber doch eine gute Idee halbwegs gut umgesetzt. Auch der geheimnisvollen Titel lässt so was wie „intelligente Unterhaltung“ erhoffen. Aber gute Zutaten reichen nicht unbedingt immer. „Das geheime Leben der Worte“ hat sich womöglich auf Papier besser gelesen als es sich in seiner endgültigen Form ansehen lässt.

Zunächst einmal braucht der Film unglaublich lange, bis die Konflikte in Gang kommen. Er überbrückt dies mit einigen Stimmungen – wie der, dass die wenigen Arbeiter der Bohrinsel im Grunde dort sind, um anderen zu entfliehen und sich abzuschotten. Oder die Figur eines Ozeanographen, von dem keiner wirklich weiß, ob er gebraucht wird. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber wie ein schulmäßiger, ordentlicher Leitfaden, den man schnell begriffen hat, aber nicht fühlt, weil die angerissenen Stimmungen sich schnell wieder verlaufen.
Ein weiterer großer Fehler ist auch die Besetzung: Sarah Polley’s Charakter ist zwar verschlossen, aber das Gesicht der Schauspielerin leider auch – und das ist, wie wenn ein Behinderter einen Behinderten spielen soll : Man interessiert sich nach einer Weile nicht weiter dafür, was er spielt, sondern beobachtet nur, ob er es hinbekommt, eine Geschichte zu erzählen, die einen seine Behinderung vergessen lässt. Die Verletzungen, die Hanna, der Charakter im Film, mit sich herumträgt, sind so eine Behinderung, die sie frostig gegenüber dem Leben macht, aber Sarah Polley ist leider selbst so frostig, dass man sich um Hannas Verletzungen schert. Kurz, sie langweilt, und das in ein gutes Drittel des Films hinein. Das ist schade, denn an ihr hängt sich der Film auf. Wenn sie sich schließlich wie erwartet öffnet, um ihre Geschichte zu erzählen, passt es zum Drehbuch, aber die Emotionen, die dazu motivieren, sind irgendwo verloren gegangen oder vergessen worden. Vielleicht hat auch die fernsehmäßige Inszenierung davon abgelenkt.

Schlimmer noch, wenn Hanna zum Schluß Josephs Zuneigung endlich annimmt : die beiden sprechen einen theatralischen Dialog nieder, der umbedingt ernst genommen werden möchte, der aber – zumindest während meiner Aufführung – die Leute zu Lachern verleitete. Wenig geheimes Leben in diesen Worten…

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