Mit Montag am Mittwoch im Juli

MONTAG

Wieso Montag?
Julian: Montag ist ein sehr eingängiger Name. Wieso hängt diesem
Wochentag ein so schlechter Ruf an? Immerhin ist es auch der Beginn von etwas
Neuem.
Wie lange gibt es euch schon?
Dominik: 1999 sind Julian und ich von München nach Hamburg gezogen.
Musik gemacht haben wir schon vorher. In Hamburg ist unser Schlagzeuger Jan
Ostendorf dazu gekommen. Seitdem gibt es die Band in der Formation.

LA LA LA

Wenn man eure Musik hört, kommt es einem irgendwie vertraut vor. Nach was
klingt ihr?

D: Da gibt es die dollsten Spekulationen. Manche sagen, wir klingen wie
die Münchener Freiheit …
J: Oder auch wie Udo Jürgens (lacht). Man kann so was nicht über sich
selber sagen. Aber auf unseren beiden Alben zeigen wir, dass wir eine ziemliche
Spannbreite haben. Das Erste ist ziemlich verträumt und ruhig, mit viel Pathos
und Streichern. Eigentlich dick produziert. Das zweite ist fast nur im
Bandprobenraum aufgenommen, klein in der Dreierkombo und eher rockig. Die
Frage, was uns besser steht, war uns egal. Im Endeffekt kamen die Leute auf uns
zu und sagten: „Wow, so was könnt ihr auch!“ Meine Vorbilder finden sich auf
keinen Fall in unserer Musik wieder. Das sind Lenny Kravitz oder Oasis. Wie
kann man so was auf deutsche Musik übertragen? Wenn wir unsere Songs noch im
Rohbau und nur mit einer Art englischem Blindtext unterlegt vorspielen, denken
viele „supercool, total international“. Sobald der deutsche Text dazu kommt,
bekommen die Leute Berührungsängste. Positiv formuliert: die Einstellung dazu
verändert sich. Es ist auf einmal klein und national, und sie fangen an, sich
über Textpassagen herzumachen.
Wenn man deutsche Songs macht, betont man die Texte unwillkürlich.
J: Natürlich, sagen möchte jeder was. Das ist eine Grundvoraussetzung,
wenn du Musik machst. Raus zu finden, was man sagen will, ist eine andere
Geschichte.
D: Ich glaube, bei uns ist es schon anders als bei Bands wie zum
Beispiel Tomte, die einfache, verständliche Musik machen und bei denen der Text
eindeutig im Vordergrund steht. Wir wollen die Menschen auch musikalisch
ansprechen, deswegen auch erst einmal das Blindtextsingen.
J: Es ist eine Herangehensweise, einen Song fertig zu stellen, ohne dass
man sofort Text haben muss.

EINSAMKEIT IST NICHT LANGWEILIG

Warum die Mühe? Was sind eure Themen?
D: Der Mikrokosmos, Beziehungen in den verschiedenen Aggregatzuständen.
Das ist ja auch das Erste, was den Leuten einfällt.
D: Sagen wir mal, es wird sehr häufig aufgegriffen. Hängt mir
mittlerweile aber auch schon zum Hals raus.
Da muss man einfach durch.
D: Als Zuhörer?
Nee, als Künstler. Man wird es irgendwann in seinem Leben einfach mal
machen. Über die Liebe singen …

D: Ich glaube, das ist ziemlich richtig, was du da sagst.
Es hat auch einfach mit eurer Lebenswelt und eurem Alter zu tun.
J: Das hat mit der neuen Wertigkeit einer Beziehung zu tun. Der Partner
ist mittlerweile so eine Allheilsfigur. Wenn ich den richtigen Partner finde,
dann bin ich glücklich.
Die Kunst ist doch, ein abgegriffenes Thema neu zu verpacken. Insofern
wird das Thema auch nicht langweilig, findet man neue Wege, darüber zu
sprechen.

J: Wenn es um die Wertigkeit geht, kann es schon langweilig werden. Aber
denjenigen, der einsam ist, wird es immer wieder ansprechen.
Einsamkeit ist nicht langweilig.

GLÜCK UND KINDER

Seid ihr glücklich?
D: Ich bin im Allgemeinen sehr glücklich.
J: Ja, ich denke schon, dass ich glücklich bin. Ja.
Habt ihr Kinder?
D: Julian möchte keine Kinder, ich auf jeden Fall. Das ist eine Sache
des familiären Backgrounds.
J: Wahrscheinlich kriege ich noch früher ein Kind als du. Aber bei mir
hat das auch wieder mit diesem übersteigerten Verantwortungsbewusstsein zu tun.
Schon allein, die Kinder an die richtigen Medien zu bringen oder davor zu
schützen. Du musst als Erwachsener heutzutage alles reglementieren. Das war
früher nicht so. Da gab’s dann Fernsehverbot, und das war’s dann auch. Aber
jetzt greifst du in alles ein.
D: Was da wohl mal für eine nächste Generation rauskommen wird? Ob die
überhaupt noch auf Konzerte geht? Ich weiß es nicht.

AUFTRITTE

Betourt ihr eure Platten nur, wenn sie erscheinen?
D: Nö nö, wir werden im Herbst auch wieder auf Tour gehen. Das war jetzt
einfach nicht möglich. Wir haben die letzten zwei Jahre auch viel gespielt.
Wo zum Beispiel?
D: Überall. Österreich, Schweiz fehlt noch. Das wollen wir noch in
Angriff nehmen, mal als Importband spielen … Auch wenn es noch
deutschsprachiger Raum ist, man ist trotzdem eine Band aus dem Ausland.
Live ist es immer anders. Es geht nicht, dass du mit Pyrotechnik und „Hey
Leude, was geht?“ ankommst und erstmal tierisch losrockst. Es geht nicht, dass
du vor 20 Menschen volle Kanone abgehst. Die Leute fühlen sich dann verarscht.
Die müssen das Gefühl haben, dass die Band da vorne auf das Publikum eingeht.
Es gab Konzerte, wo wir uns auf die Bühne gesetzt und ganz leise gespielt
haben, und die Leute fanden das gigantisch.
Du kannst ne Platte machen mit deinen Kollegen und mit deiner Plattenfirma
korrespondieren, die finden’s alle toll, aber wie es jeder persönlich auffasst,
weißt du erst beim Live-Konzert.

ZAHLEN

Wie viel habt ihr bisher mit den beiden Scheiben verkauft?
D: So im vierstelligen Bereich. Also für den Babysektor normal.
Was ist viel?
J: Das ist schwer zusagen.
Ist hunderttausend viel?
J: Hunderttausend sind wahnsinnig viel. Das schafft fast niemand mehr,
außer die großen Acts. Wenn eine Band wie Selig heute 5000 verkaufte, dann wäre
das extrem wenig. Wenn aber eine Band wie wir das verkaufen würde, dann wäre
das extrem viel. Ist halt immer so die Unterscheidung „major“- oder
„indie“-Band.
Gab es ein Erlebnis, wo ihr denkt „Das geht gar nicht!“?
D: Braunschweig auf jeden Fall. Es war mehr Tresenpersonal als Publikum
da, und wir haben für Eintritt gespielt. Da standen drei Leute und einer von
denen hat sich direkt vor die Bühne gestellt und die ganze Zeit geschrien:
„Mehr Drogen, weniger Mille!“. Völlig obskure Situation. David Lynch, Kamera
ab!

Wir wünschen euch wenig David Lynch, viel  Reichtum und Ruhm und
weiterhin dieses Feuer für die Musik!


Diskographie:
Gefallen (2003 Tapete
Records)

Sender (2005 Tapete Records)

Eine Meinung

  1. Hoffe ein guten durchbruch…wünsche den viel glück in ihrem musikleben.Vllcht treten sie ja mal bei uns hier auf 😛

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.