Lottas Welt

Gleich
nach Serienstart bestätigt sich, was von vornherein vermutet werden durfte:
Auch ProSiebens neue Telenovela ist nichts weiter als ein verfilmter
Groschenroman. Und wie bei allen anderen Sendungen gleicher Machart wird
peinlichst genau darauf geachtet, dass der Zuschauer auf den ersten Blick
sieht, wer auf welcher Seite steht. Ganz wichtig dabei: Die Haarfarbe. Die gute
Lotta ist natürlich blond, ihr böses Ebenbild Alex dunkelhaarig. Na ja, was
soll’s, David Lynch macht’s auch nicht anders.
 

Der
Name – das A und O

 
Wer
in so einer Serie über den Bildschirm läuft, der braucht einen ordentlichen
Namen. „Ordentlich“ heißt bei Frauen, dass sie in der Regel mit einem
weiblichen A aufhören (Lotta, Anna, Eva-Maria, Tabatha, Olivia). Aber auch die
Männer dürfen aussagekräftig heißen, so z.B. Lottas Schwarm, der Gitarrist:
Michael Stern. Wenn das mal nicht nach Pop-Himmel klingt. Und Lotta, die heißt eigentlich
Carlotta Wiesner. Carlotta, das klingt jung, frisch und sympathisch, und
Wiesner, das passt auch, denn da schwingt etwas Bäuerliches mit, das klingt
nach Kuhglocken und duftet nach Harz. Einfach und gemütlich und einfach
gemütlich, seit „Clarissa von Anstetten“ hat lange kein Name so treffend eine
Serienfigur charakterisiert.
 

Vom
Waschweib zum Popstar

 
Auch
nicht unwichtig: Die Herkunft. Lotta hilft ihren Eltern in der Wäscherei.
Einfache Menschen, die ganz andere Sorgen haben, als welches Kleid zu welchem
Song passt und auf welcher Seite man von der Bühne geht. Solche Menschen werden
schnell zum Spielball von Wirtschaft und Politik, so wie jetzt, wo schon wieder
die Strompreise erhöht wurden! Zwar gibt’s neue, sparsame Maschinen, aber die
kann sich ja kein normaler Mensch leisten, höchstens Popstars. Wie gut, dass
Alex sowieso keinen Bock mehr auf den ganzen Star-Rummel hat. Also her mit
Lotta, nen ordentlichen Fummel an und rauf auf die Bühne. Doch die hat ja mit
dem Pop-Kram eigentlich nicht viel am Hut und will nur zu Michael. So ein
Dilemma!
 

Das
doppelte Carlottchen

 
Andreas Bartl, seines Zeichens
Geschäftsführer von ProSieben, tönt: „Mit ‚Lotta in Love’ entwickeln wir
unseren Vorabend weiter.“ Na, herzlichen Glückwunsch zu diesem Rückschritt!
ProSieben geht mit der Zeit und ist endlich beim Billig-Kitsch angekommen.
Und was sagt Bartl noch? „Wir
bieten mit unserer Telenovela eine moderne Alternative zu den Programmen in
dieser Zeitschiene.“ Wieso Alternative? Ach ja, das neue und aufregende Doppelgänger-Motiv!
Und wieso modern? Na, weil doch eigentlich jeder von uns Germany’s Next
Superstar werden will, oder etwa nicht?

2 Meinungen

  1. Die Analyse der Vornamen ist wirklich erstaunlich, sowas muss einem erstmal auffallen.Ich hoffe ja schon seit längerem auf einen Relauch der von Anstetten. Das ist wenigstens nochmal ein durch und durch böser Charakter mit Stil -unerreicht.

  2. Meinen Lieblingsnamen der letzten Fernseh-Monate trägt ja übrigens Ruth Drexel als „Agathe Heiland“ in der billigen ARD-Miss-Marple-Kopie „Agathe kanns‘ nicht lassen“. Agathe Heiland – Agatha Christie. Find ich gut, dass hier keiner verhehlt, dass das alles nur geklaut ist.

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